Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

D. Lehre v. d. Testamentsvollziehern nach gem. u. Preuß. Rechte. HZ
spricht es klar aus, daß der Executor ein letzt willig Bevoll-
mächtigter des Erblassers ist; diese Bestimmung und die Stel-
lung des Instituts im zwölften Titel bezeugen, daß die Testa-
mentsexecutorie auch vom Landrecht als ein eigenthümliches
erbrechtliches Institut betrachtet wird *). Bon einem Kon-
traktsverhältniß zwischen dem Executor und den Erben ist keine
Rede, dagegen spricht schon der § 560 1 12, welcher die selb-
ständige Stellung des Testamentsvollziehers betont:
„So wenig aber, als der Erbe selbst etwas gegen den Wil-
len des Erblassers verfügen kann, so wenig ist der Voll-
zieher befugt, in solche Verfügungen des Erben zu willigen."
Es ist aber auch nicht an einen Vertrag zwischen dem Erblas-
ser und dem Vollzieher zu denken. Die Verweisung aus Ti-
tel 13 Abschnitt 1, wo von Vollmachtsaufträgen die Rede ist,
darf uns nicht beirren. Nur soweit der einseitige Wille des
Vollmachtgebers in Betracht kommt (§5 I. 13 A.L.R.), hat
die Verweisung einen Sinn. Dritten gegenüber gilt auch nach
Landrecht der Satz, daß, weil der Machtgeber fehlt, nur
eine gewisse feste Stellung des Vollziehers den Nachlaßinteres-
senten gegenüber bestehen bleibt, die im Schutze des objectiven
Rechts allein ihren Grund hat. Während aber im gemeinen
Recht diesen Grund die Rechtsgewohnheit bildet, schützt
den Vollzieher im Preußischen Recht das Gesetz.
Im Einzelnen finden sich zwar in beiden Rechtssyftemen
mehrfache Abweichungen, doch sind dieselben nicht derart, um
bei der principiell gleichen Grundlage eine getrennte Behand-
lung beider Rechte zu veranlassen.

i) 6k. Hinschius in der Pr. Anw.-Zeitung loc. cit. p. 767.

XX. N. F. VIII.

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