Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

D. Lehre v. d. Testamentsvollziehern nach gem. it. Preuß. Rechte. Hl
sen zu verstehen, die sich auf einen Vollmachtsvertrag stützen.
Der Ausdruck sagt nichts anderes, als daß der letzte Wille der
Wille eines Vollmachtgebers ist, welcher wünscht, daß die Hand-
lungen des Testamentsvollziehers Dritten gegenüber dieselbe
rechtliche Wirkung haben sollen, als hätte er sie selbst vorge-
nommen. Diesen letzten Willen schützt der Staat, falls
der Dritte die Stellung übernimmt! Hier zeigt sich nun sofort
der Unterschied zwischen diesem Geschäfte von Todeswegen und
einem Vertrage unter Lebenden. Während hier die Hand-
lung des Beauftragten rechtlich für den Machtgeber Dritten ge-
genüber wirkt, ist dies dort nicht möglich, weil der Machtgeber
fehlt; es bleibt daher nur eine gewisse feste, von dem Willen
der Erben unabhängige rechtliche Stellung. Diese schützt allein
das objeetive Recht, weil es den Willen des Einzelnen
auch über die Lebensgrenze der Individuen hinaus wirken lassen
will, damit, wie sich Unger (Oesterr. Erbrecht, Einleitung)
ausdrückt, „der Tod wie über die Welt des Geistes überhaupt,
so über den Organismus des Rechts keine Macht habe."
DieTestamentsexeeution erscheint mithin als eine privat-
rechtlich angeordnete und staatlich anerkannte Güterpflege
für den Nachlaß, das heißt, als eine Fürsorge nicht so-
wohl für die Vermögensangelegenheiten einer bestimmten Person,
als vielmehr für ein bestimmtes Vermögen als sol-
ch e s. Hierin ist zugleich zweierlei ausgesprochen: einmal ent-
hält sie eine Erweiterung der Testirfreiheit, weil nach
Römischem Rechte diese Fürsorge vom Rechte des Erben nicht
getrennt werden konnte, dann enthält sie in allen Fällen eine
Beschränkung des Erben. In letzterer Beziehung ist sie
paffend mit den Instituten der Eoncursverwaltung und
der Liquidation zu vergleichen. Alle drei haben das eine
gemein, daß Befugnisse über ein Vermögen, obwohl ein

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