Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

D. Lehre v. d. Testamentsvollziehern nach gem. u. Preuß. Rechte. 109
bestellt worden ist. (Entscheidungen des Obertribun. Bd. 48
p. 95 ff'.). Endlich ist hier eine Entscheidung des Reichsge-
richts vom 27. November 1879 zu erwähnen, in welcher es
heißt, daß der Teftamentserecutor, wenn er im Interesse der
Erben Erbschastsangelegenheiten besorge, seinen Willen
nicht aus dem Willen der Erben ableite, sondern
den Willen des Testators vertrete. (Gruchot, Bei-
träge zur Erl. des d. Rechts. 3. Folge 3. Jahrgang 2—4. Heft,
p. 456).
II.
Dogmatischer Theil.
§• 13.
Disposition und Methode der Darstellung.
Die nachfolgende Darstellung geht von der Ansicht aus,
daß die Testamentsexeeution eine selbständige Art der
letzt Willi gen Anordnungen ist, in welcher eine Voll-
macht zur Ausführung des letzten Willens ertheilt wird. Sie
wird daher zunächst die Stellung des Testamentsvollziehers im
Allgemeinen charakterisiren und die Grenzen seiner Vollmacht
aufsuchen. Da sich nun ferner ergibt, daß die Stellung des
Testamentsvollziehers eine doppelte ^) ist, indem er einmal
wie ein durch den letzten Willen berufener Güterpfleger den
Nachlaß vertritt und die Interessen aller Nachlaßinteressen-
ten wahrnimmt, dann aber auch als Verwalter eines
fremden Vermögens erscheint, weil der Nachlaß den Erben
eigenthümlich gehört, haben wir die Stellung desselben in dieser
zweifachen Beziehung zu betrachten. Hierdurch erreichen wir
i) Treffend bemerkt Wind scheid (Pand. Hl p. 109), daß der Te-
stamentsvollzieher ans der einen Seite über den Nachlaß eine gewisse
Macht habe, welche von den Erben anerkannt werden müsse, daß er auf
der andern Seite aber zu den Erben in einem Verpflichtungsverhält-
niß stehe.

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