Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

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Dr. jur. A. StUrm,

Die Preußische Praxis folgt entschiedener dem System
der letztwilligen Vollmacht. Sie bezeichnet, wenn auch nicht
immer mit klaren, durchsichtigen Ausdrücken, den Testaments-
vollzieher als Vertreter des Nachlasses. Zunächst kommt
hier das Erkenntniß bei Striethorst, B. 52 p. 124 in Be-
tracht. Hier heißt es, daß es ein rechtsgrundsätzlicher Verstoß
sein würde, den Testamentsvollzieher als Bevollmächtigten der
Erben anzusehen. Wenn er aber auch ein vom Erblasser bestell-
ter Bevollmächtigter sein möge, so vertrete er doch auch die
Erben insofern, als er den diesen eigenthümlich gehörenden
Nachlaß im Interesse oder im Namen der Erben, statt ihrer und
in diesem Sinne für sie verwalte. Mit diesem vorsichtigen
Ausdrucke wird zwar nicht gesagt, daß der Testamentsvollzieher
im Interesse der Nachlaßinteressenten handle, jedoch eine Vertre-
tung der Erben allein zurückgewiesen. Aehnlich spricht sich
das bei Striethorst Bd. 8 p. 242 angeführte Erkenntniß
aus: Ein Testamentsexecutor vertritt als Bevollmächtigter den
Erblasser und nicht die Erben; er ist deshalb lediglich an des
ersteren, nicht an der letzteren Willen gebunden. In einem
anderen Erkenntniß (Striethorst Bd. 41 p. 18) wird B ese -
ler's Theorie vertreten und betont, daß der Testamentsvoll-
zieher nie an Stelle der Erben trete, sondern dieselben
nur vertrete und immer nur fremde Rechte ausübe. Ferner
heißt es in einem Erkenntniß °. der Testamentsexecutor ist wirk-
lich Bevollmächtigter des Erblassers, nicht des Erben, er ver-
waltet den Nachlaß nicht im Aufträge des Erben, sondern des
Erblassers, und wenn er gleich den Nachlaß, da dieser dem Er-
ben eigenthümlich gehört, im Interesse des Erben, statt seiner
und in diesem Sinne für ihn verwaltet, so ist er doch keines-
wegs der Mandatar des Erben, der ihn nicht bestellt hat, und
dem er vielmehr als eine Beschränkung derErbesein-
setzung und der Befugnisse eines Erben vom Erblasser

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