Full text: Volume (Bd. 29 = N.F Bd. 17 (1890))

Dingliches Recht.

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stellt die Reallasten auch wohl unter den Servitutenbegriff,
deutschrechtliche Servituten.
Da entsteht doch fürwahr die Frage nach dem Wesen
der Dinglichkeit eines Rechtsverhältnisses, und ob es wahr ist,
daß das deutsche Recht diesen Begriff wirklich in einer vom
Römischen Recht abweichenden Weise gestaltet hat, ob es in
der That eine besondere Dinglichkeit des deutschen Rechts
giebt. Mit Recht sagt aber m. E. So hm (Ueber Natur und
Geschichte der modernen Hypothek, Grünhut's Zeitschrift, Bands
S. 35): „der Begriff des dinglichen Rechtes bedeutet nur eine
Kategorie unseres juristischen Denkens, d. h. nur eine logische,
keine historische Größe. Er ist daher vom positiven Recht
unabhängig und weder ein römischer, noch ein deutscher, sondern
ein wissenschaftlicher Begriff." Das deutsche Recht hat in der
That keinen besonderen und neuen Begriff der Dinglichkeit.
Es ist So hm durchaus darin zuzustimmen, daß die soge-
nannten Realobligationen eben nur Obligationen gleich anderen
Obligationen sind und daß daraus nur Forderungsrecht und
aetiv in personam hervorgeht.
Nehmen wir zur Probe sofort die Reallasten. Sie
verpflichten den Eigenthümer eines Grundstücks zu gewissen
wiederkehrenden Leistungen, und das sollte am wenigsten be-
stritten werden, daß der Anspruch auf die einzelne fällige Lei-
stung ein reines Forderungsrecht sei. Dazu bekennen sich auch
die Schriftsteller jetzt in der Regel, und die angebliche Ding-
lichkeit wird meistens nur für diese Art der Grundstücksbe-
lastung im Ganzen vertheidigt, die Reallaft als solche im
Gegensatz der einzelnen Leistung. Das Wort der „Belastung",
deffen sich jetzt auch der Entwurf sowohl für die Reallaften
als für Hypothek und Grundschuld bedient, gehört aber mehr
der Wirth sch aftlich e n Auffassung an als der juristischen
Konstruktion und kann in gewissem Sinne als neutral bezeichnet

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