Full text: Volume (Bd. 29 = N.F Bd. 17 (1890))

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Unger,

wohlthat der Vorausklage unterworfen werden: das Er-
gebniß derselben wird nicht zur B e i b ehaltung des beneücimn
6xeu88ioni8, sondern zu der Verwerfung desselben führen.
Wahrend nach dem Recht der Pandekten und des Codex
der Gläubiger die Wahl hatte, den Bürgen oder den Haupt-
schuldner in Anspruch zu nehmen, hat bekanntlich Iustinian
in der Novelle 4 e. 1 v. I. 535 angeordnet, daß der Gläu-
biger sich vorerst an den Hauptschuldner halten und diesen
ausklagen solle, so daß er erst dann auf den Bürgen mit
Erfolg greifen kann, wenn und soweit er vom Hauptschuldner
nicht Befriedigung erlangt hat (8i non valuerit a debitore
recipere). Diese Bestimmung gewährt nun allerdings dem
Bürgen einen starken Schutz und stellt sich als eine wahre
Rechtswohlthat für ihn dar: sie steht aber mit dem Wesen
und dem Zweck der Bürgschaft in Widerspruch und führt zu
einer nicht zu rechtfertigenden Härte gegen den Gläubiger. Der
Gläubiger, der sich einen Bürgen stellen läßt, sucht sich da-
durch nicht bloß gegen die Zahlungsunfähigkeit des Schuldners
zu decken: er will sich vielmehr die Erfüllung der geschuldeten
Leistung sichern und ohne Schwierigkeit und Weiterung zu
seiner Befriedigung durch den Einen oder den Andern ge-
langen. Bleibt die Erfüllung durch den Schuldner aus, so ist
eben der Fall eingetreten, auf den hin der Bürge einzustehen
versprochen hat: wendet sich nun der Gläubiger an den Bürgen,
und kann dieser jenen auf den Schuldner zurückwerfen und
ihn nöthigen, sich zuerst von dem Letzteren Befriedigung zu
verschaffen, so ist der Zweck der Verbürgung, wenn auch nicht
gänzlich vereitelt, so doch wesentlich verkümmert. Dies tritt
besonders deutlich hervor, wenn der Gläubiger sich gerade im
Hinblick auf den Bürgen hat bestimmen lassen, dem Schuldner
Credit zu gewähren oder zu verlängern, und nicht rechtskundig
oder vorsichtig genug war, um vom Bürgen Verzichtleiftung

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