Full text: Volume (Bd. 29 = N.F Bd. 17 (1890))

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Otto Wendt, RechtSsatz und Dogma.

deswegen alles andere gleichgültig bleibt, sondern weil es nicht
wahr ist, daß die Tradition ganz für sich stehe und keinen
Vertrag mehr hinter sich habe. Wir haben uns freilich gewöhnt,
vom Eigenthumserwerb durch Tradition zu sprechen, doch aus
keinem anderen Grunde, als um scharf hervorzuheben, was noch
zum Vertrage hinzutreten müsse, und daß erst die Tradition
den Zeitpunkt des Eigenthumsüberganges bestimme. Andrer-
seits ist aber jene Ausdrucksweise irreführend und verleitet i.n
der That zu der Meinung, daß die Tradition den vollen That-
bestand schon ausmache, Aumquam imda traditio transfert
dominium, sed ita si venditio aut alia justa causa prae-
cesserit propter quam traditio sequeretur. Dieser Satz
des Paulus ist oft zu Unrecht citirt; hier ist er aber am
Platze, und wer das Verhältniß von Vertrag und Tradition
zu einander erwägt, wird doch bald finden, daß die eigentliche
und Hauptbedeutung dem Vertrage zukommt, in dessen Aus-
führung die Tradition geschieht. Die Tradition ist wohl nöthig,
um den Veräußerungsvertrag auch die dingliche Wirkung finden
zu lassen; der Rechtsgrund des Eigenthumsüberganges, die
causa efficiens, ist aber der Vertrag, das Kaufgeschäft, die
Schenkung u. s. w., wozu sich die Tradition doch nur als die
condicio sine qua non zu stellen vermag.
2. Veräußerung und Belastung von Rechten.
Diese Rubrik soll von mir im Sinne der gewöhnlichen
Pandektenterminologie verstanden werden und also auf Eession,
Nießbrauch und Pfandrecht an Forderungen in gleichem Maße
gehen wie auf dergleichen Verfügungen über dingliche Rechte.
Auch das ist ein Gebiet, wo Dogma und Lehre die Rechts-
sätze zu überwuchern drohen und auch der Entwurf sie in un-
nöthiger Weise belastet hat. Doch läßt sich der Punkt in Kürze
abthun.

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