Full text: Volume (Bd. 29 = N.F Bd. 17 (1890))

52 Otto Wendt, RechtSsatz und Dogma.
Grundbuchamte geschlossenen Vertrage sprechen. Wohl mag
noch für erforderlich gehalten werden, daß diese Auflassung
eine mündliche Erklärung an das Amt sein müsse, und daß
also persönliches Erscheinen vor der Behörde, sei es des Auf-
lassenden selbst, sei es eines legitimirten Vertreters, zu fordern
sei, wie nach Römischem Recht auch für die gerichtliche Verlaut-
barung der großen Schenkungen vorgesckrieben war. Aber
wenn dann auch der Erwerber den Antrag stellt, den Eintrag
vorzunehmen, und der Veräußerer dazu seine Zustimmung giebt,
so bedeutet das noch immer keinen vor dem Grundbuchamte
zu schließenden Vertrag.
Don Wichtigkeit ist dabei m. E. immer nur dies, daß
das Grundbuchamt mehr als jene Consenserklärung nicht zu
fordern berechtigt sein soll und daß eine weitergehende Cognition
über den zu Grunde liegenden Vertrag demselben nicht zusteht.
Denn hieran knüpfen sich dann die weiteren Rechtssätze über
die Wirkungen von Consens und Bucheintrag, daß diese näm-
lich in vollem Maße auch dann eintreten sollen, wenn das
Hauptgeschäft an irgend einem Mangel leiden würde, der die
Eintragsbewilligung ihrerseits unberührt läßt. So können
Kauf und Schenkung ungültig sein, und doch führen vielleicht
die weiteren Vorgänge zu einer rechtswirksamen Eigenthums-
übertragung. Ein solcher Rechtssatz kann natürlich wiederum
nicht mit einer Theorie über das Wesen des dinglichen Ver-
trages gerechtfertigt werden, sondern es muß erhellen, daß er
sachlich für den Verkehr angemessen und erforderlich sei, und
daß die Führung der Grundbücher nur in solcher Weise ihren
Werth für das Leben gewinne.
Genau so steht es endlich mit der aus dem Römischen
Recht überlieferten Streitfrage nach der rechtlichen Bedeutung
der justa causa traditionis. Ein großer Theil der Pandektisten,
oder darf ich sagen, die herrschende Lehre bekennt sich zu der

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