Full text: Volume (Bd. 29 = N.F Bd. 17 (1890))

Der dingliche Vertrag.

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händigung der Sache auch das Eigenthum übertragen wird:
Eigenthumserwerb durch Tradition. Das war also auszu-
sprechen, und zwar in keiner anderen Form und Einkleidung,
als daß bei Veräußerung beweglicher Sachen zu dem Vertrage
noch die Tradition hinzukommen müsse: traditionibus dominia
rerum transferuntur, non nudis pactis. Der Entwurf aber
sagt nicht bloß, daß tradirt werden müsse, sondern fordert, daß
der Veräußerungsvertrag mit und bei der Tradition zu schließen
sei i „unter Uebergabe der Sache". Das ist eben das Dogma,
welches den Rechtssatz verdrängt und verdunkelt. Wer vom
praktischen Leben ausgeht und die Vorgänge desselben unbe-
fangen betrachtet, wird die Traditionsvorschnft des Römischen
Rechtes gewiß nur so verstehen, daß, wenn jemand sich ein
Haus kauft, oder ein Pferd, eine Waare irgendwelcher Art,
oder wenn ihm schenkweise oder als Heirathsgut eine Sache
zu eigen gegeben wird, diese Verträge denselben noch nicht
zum Eigenthümer machen, obwohl sie doch wahre Veräußerungs-
geschäfte sind und den Willen, Eigenthum zu geben und zu
nehmen, in vollem Maße enthalten. Zum Vertrage soll viel-
inehr noch die Uebergabe hinzukommen, und bis dahin bleibt
also das Eigenthum trotz der Veräußerung noch beim Ver-
äußerer, oder mindestens, es ist in der Schwebe, und die Wir-
kungen des Vertrages hängen noch von einer weiteren That-
sache ab, die noch hinzukommen muß. Niemand wird aber
von selbst daran denken, daß auch bei der Tradition noch
wieder ein Vertrag zu schließen sei, oder daß das Geben und
Nehmen der Sache selbst noch wieder einen Vertrag bedeute.
Die erste Alternative ist ganz verfehlt, und die zweite würde
im Gesetz nicht gesagt zu werden brauchen. Warum wird
denn eigentlich gelehrt, daß z. B. der Verkauf der Sache eine
alienatio derselben bedeute, und warum geht vom Vertrage
ab die Gefahr auf den Käufer über? Doch beides aus keinem

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