Full text: Volume (Bd. 29 = N.F Bd. 17 (1890))

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W. Kindel,

behaupten, daß er selbst nicht weiß, was er unter Eigenthum
verstehen soll.
Wäre er konsequent gewesen, so hätte er von selbst zu
unserem Begriffe gelangen müssen. Denn er sagt in Ueber-
einstimmung mit uns: Das Eigenthum wird nur durch Ver-
trag und Uebergabe erworben. Wer aber in dieser Weise die
Sache erlangt hat, braucht sie nun einmal nicht zurückzugeben.
Da man Definitionen aus Rechtssätzen ableiten soll und nicht
Rechtssätze aus Definitionen, wie Wendt selbst'S. 34 sehr
richtig ausführt, ergiebt sich aus dem Rechtssatze über den
Erwerb des Eigenthums seine Definition als die eines Rechts,
die Sache zu behalten *). Wir stellen ganz anheim, mit der
herrschenden Theorie noch hinzuzufügen, daß der Wille des
Eigenthümers für die Sache entscheidend sei in der Gesammt-
heit ihrer Beziehungen, daß der Eigenthümer über die Sache
verfügen darf, wie er will, und daß er jede fremde Einwirkung
abwehren kann. Dies versteht sich nach unsrer Auffassung
von selbst, denn das gedachte Recht wird ihm gerade durch
die exceptio gewährleistet.
Nur in einer Beziehung hat Wendt wieder Recht, näm-
lich darin, daß es in der Theorie außer diesem materiellen
Eigenthumsbegriffe noch einen anderen giebt, welchen wir
rücksichtslos bekämpfen. Es ist dies das anfechtbare Eigen-
thum, das Eigenthum der unberechtigten Besitzer, welches nach
unsrer Anschauung das ganze Rechtssystem verwirrt.
Der doppelte, für die Rechtsentwicklung Deutschlands so
verhängnißvolle Eigenthumsbegriff ist im wesentlichen durch
Donellus in die Theorie gekommen. Er erklärt die I. 18
D. de R. C. 12, 1 ganz richtig und mit dem richtigen Eigen-
thumsbegriff :

1) K. 7.

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