Full text: Volume (Bd. 29 = N.F Bd. 17 (1890))

Der dingliche Vertrag.

41

Grundbuch kann es zunächst nur auf das letztere ankommen,
den Nachweis der Eintragungsbewilligung. Ob der dingliche
Vertrag seinerseits zu seiner eigenthumübertragenden Wirkung
eine susta causa der Uebertragung hinter sich haben müsse,
ist nach den vom Entwurf angenommenen Grundlagen des
Grundbuchsrechtes um so mehr eine offene Frage, als nur die-
jenigen Gesetze, welche dem Bucheintrag formelle Rechtswir-
kung beilegen (Grundsatz des Rechtsbestandes und der Un-
umftößlichkeit, wie man in Mecklenburg sagt), die Rücksicht
auf die )us1a causa principiell auszuschließen scheinen.
Ein sehr energischer Protest gegen den dinglichen Vertrag
ist kürzlich durch Kindel erhoben in seinem Buch: Das
Recht an der Sache, kritische Bemerkungen zum dritten Buche
des Entwurfs u. s. w. Der Verfasser müht sich um den Nach-
weis, daß das Römische Recht von den Pandektisten gründlich
mißverstanden und daß der dingliche abstrakte Vertrag im
Sinne des Entwurfs wesentlich eine Schöpfung der Glosse sei,
aus deren Banden man sich trotz so vieler Jahrhunderte noch
nicht wieder habe frei machen können. Auch diesem Schrift-
steller scheint es entgangen zu sein, wenigstens tritt es in seinem
Buche nirgends hervor, daß über die abstrakte Natur der
Eigenthumstradition die Pandektisten durchaus nicht einer und
derselben Meinung sind, und daß sich ebenso gewichtige Stim-
men dawider als dafür ausgesprochen haben. Die Aus-
legung der einzelnen Stellen schwankt hin und her, und es ist
am wenigsten berechtigt, die Pandektenlehre auf diesem Punkt
als stereotyp und starr geworden zu betrachten. Was aber
schlimmer ist, der Verfasser schleudert seine Angriffe auf die
Pandektisten trotz seiner hohen richterlichen Stellung mit einer
oft geradezu in Erstaunen setzenden und verblüffenden Miß-
handlung der Quellen und begeht, was die Auslegung und
Benutzung der einzelnen Zeugnisse angeht, w starke Verstöße

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer