Full text: Volume (Bd. 29 = N.F Bd. 17 (1890))

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W. Kindel,

1. 18 D. de R. C. 18, 1 erheben sich nun folgende Anklagen
gegen die das Konsensprinzip lehrende Pandektenlheorie:
a) Sie habe zu Unrecht einen Widerspruch zwischen
Julian und Ulpian in dem Fundamentalprinzipe der Tradi-
tionslehre angenommen. Die Annahme eines solchen Zwie-
spalts sei einfach vom praktischen Standpunkte unmöglich.
Ein positives Recht könne gar nicht zugleich auf dem Kausal-
prinzip und dem Konsensprinzip begründet sein. Man mache
nur den Versuch, ein Gesetzbuch auf beide Theorien zugleich
zu gründen.
d) Sie habe übersehen, daß Juli an das Zustandekommen
eines Vertrages mit der Tradition nur ausnahmsweise und
gegen die sonstigen Regeln des Civilrechts behaupte, daß aber
seine Meinung schon für das römische Recht durch den Ulpian
beseitigt sei, daß ferner selbst die Glosse und Cujacius die
volle Verkehrtheit des abstrakten Vertrages klar gelegt haben.
e) Sie nehme daher zu Unrecht an, daß das Konsens-
prinzip, welches gerade wegen seiner Zweifelhaftigkeit und seiner
Unbestimmtheit eine überreiche Literatur hat und deshalb den
Eindruck größerer Wissenschaftlichkeit macht, zur Grundlage der
Gesetzgebung eines großen Reiches gemacht werden könne.
Diese Anklagen mögen ungerechtfertigte sein. Dann möge
man sie ruhig widerlegen. Wir würden es mit der größten
Freude begrüßen, wenn die Theorie den Entwurf gegen den
Angriff schützen kann. Wir fragen nicht nach unserer Mei-
nung, sondern über alles geht für uns der Zweck, daß für
Deutschland ein möglichst gutes Gesetzbuch und auch mög-
lichst bald geschaffen werde.
Trotzdem W e n d t das Konsensprinzip einfach aufgiebt,
glaubt er S. 44 das Kondiktionendogma aufrecht erhallen zu
können, d. h. die Rechtsanschauung, daß die eonäletio den
Eigenthumsübergang voraussetzt. Dies ist ein logischer Wider-

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