Full text: Volume (Bd. 29 = N.F Bd. 17 (1890))

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W. Kindel,

grund vorliegt. Diese seine Auffassung erläutert Julian an
zwei Beispielen, die sich nach dem Charakter der Tradition
von selbst regeln. Wenn ich dir in der Meinung übergebe,
dir aus dem Testament schuldig zu sein, du empfängst aber
die Sache als eine aus einer Stipulation geschuldete, so ist
diese verschiedene Meinung über die vorhergehende causa gleich-
gültig, wenn nur überhaupt eine causa vorliegt. Es genügt
aber zweitens, daß mit der Tradition ein Vertrag zu Stande
kommt. Julian glaubt nun, das Zustandekommen eines
Vertrages annehmen zu sollen, wenn der eine Geld als Ge-
schenk giebt, der andere es als Darlehn in Empfang nimmt.
Aber diese juristische Konstruktion erscheint ihm selbst bedenklich,
weil es ihm nicht entgehen konnte, daß sie gegen Vertrags-
grundsätze verstößt, und deshalb rechtfertigt er die juristisch
bedenkliche Entscheidung durch die Berufung auf die Praxis
(constat)1).
Diese oder eine ähnliche Entscheidung hat Ulpian bei
Abfassung der I. 18 D. de rebus cred. 12, 1 vor sich. Er
sagt: In dem von Julian besprochenen Falle kommt ein
Vertrag überhaupt nicht zu Stande, weder eine Schenkung noch
ein Darlehn. Daher geht das Eigentum nicht über. Daher
wird aus der ohne Rechtsgrund erfolgenden Tradition die
condictio gegeben, welche mit der exceptio doli nur dann
abgeschnitten wird, wenn die numi konsumirt sind.
Diese Interpretation haben wir im Wesentlichen schon
G. 53, 54 gegeben. Sie hat aber demnächst durch das fort-
gesetzte Studium der Literatur ihre Bestätigung gesunden.
Schon die Glossa Justa causa zur 1. 31 D. de A. R. D.

l) Diese Auffassung deS Worts „eonstar" ist aus Glück Pandekten
Bd. 8 S. 122 Not. 39 entlehnt: Insonderheit wird das Wort eoustst von
den Röm. Rechtsgelehrten de jure recepto gebraucht, wenn sie es auch nach
theoretischen Gründen nicht billigen, wie aus l. 9 D. de religiosis erhellet.

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