Full text: Volume (Bd. 29 = N.F Bd. 17 (1890))

Konsensprinzip oder § l. I 10 A.L.R.? 417
werde. Wir begreifen daher nicht, was der gegen uns er-
hobene Vorwurf zu bedeuten haN).
Eine einzige Differenz mit den Ausführungen W e n d t' s
wäre denkbar 2). Es wird nicht ersichtlich, ob er dem bloßen
Käufer gegen die schlechtgläubigen Succefforen seines Ver-
käufers eine Klage auf Herausgabe geben will. Ueber diese
Frage wogte namentlich bei Berathung der preußischen Grund-
gesetze ein heftiger Kampf. Die Theorie mußte die Klage
verweigern, da sie dem Käufer nur eine Obligation gab, und
Obligationen keine Wirkungen gegen Dritte haben können.
Dieser dogmatischen Begründung aber widerspricht das prak-
tische Bedürfniß, und die Gesetzgebungen, insbesondere das
preußische Landrecht, haben sich bis jetzt an die Dogmen nicht
gekehrt. Sie geben daher aus dem bloßen Vertrage fast all-
gemein Klagen gegen schlechtgläubige Dritte. Diesen Stand-
punkt mußte die Theorie nach ihren Grundanschauungen für
einen unwissenschaftlichen erklären und schleuderte daher ihren
Bannstrahl gegen das preußische Landrecht:
Die Zeit des Landrechts, die Zeit der Aufklärung oder
des Aufkläricht ... war vorzugsweise die Zeit der Moral
— nicht jener erfüllten Sittlichkeit, die den Menschen
zum guten Sohn, Bruder, Gatten und Vater macht,
sondern jener dünnen blutlosen Moral, bei der man vor
langer Weile sterben kann (Lenz, Studien und Kritiken
S. 92) 3).
Uns bleibt auch hier nichts übrig, als uns voll zu dem Mo-
ralitätsprinzip unseres Landrechts zu bekennen und selbst unsere

1) Vielleicht hat Wen dt auch unsere Ausführungen K. XV, 62 folg,
übersehen, nach denen e8 sich überhaupt nicht um ein Dogma, sondern um
einen fast internationalen Rechtssatz aller europäischen Nationen handelt.
2) Bergl. G. 67 -72. K. 69 folg.
3) G. 71.

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