Full text: Volume (Bd. 29 = N.F Bd. 17 (1890))

Konsensprinzip oder § i. I 10 A.L.R.? 413
tung denkbar sind. Wendt scheint also die Verträge, welche
Obligationen, und die Verträge, welche Rechte an Sachen
begründen, gemäß des Pandektensystems noch zu unterscheiden.
Nun erzeugt aber derselbe Kaufvertrag die Obligation des
Verkäufers und das Recht das Käufers an der Sache. Er
ist, um uns der Terminologie Wendt's zu bedienen, die
causa efficiens für das Eigenthum des Käufers und für die
Obligation. Wendt wird sich daher ganz zu unserer Auf-
fassung bekennen müssen, daß derselbe Vertrag Obligation und
Recht an der Sache zugleich erzeuge und auch den Inhalt
beider Rechte zugleich bestimme , und daß in der That das
Pandektensystem für eine moderne Gesetzgebung nicht aufrecht
erhalten werden kann. Dabei wollen wir von der Ungenauig-
keit des Ausdrucks, daß der Vertrag das Eigenthum über-
trage, hier als unerheblich absehen. Solange man den römi-
schen Eigenthumsbegriff der 1. 52 D. de A. R. D. 41, 1 fest-
hält, kann so etwas nicht behauptet werden. Der Ausdruck
ist nur berechtigt, wenn man die Rechtsanschauung des code
civil aufnimmt. Nach römischem Recht erzeugt der Kaufver-
trag zwar ein schwächeres Recht an der Sache und die es
schützende Obligation, aber noch nicht Eigenthum, weil das
Recht des bloßen Käufers eben ein schwächeres ist als das
Recht des Käufers, dem tradirt ist1 2).
Wendt führt ferner S. 40 aus, daß die Grundschuld,
wenn auch nur diese, als abstrakte, von der causa unab-
hängige begründete Belastung eines Grundstücks erscheine. Auch
diese Behauptung ist ihm in keiner Beziehung zuzugeben, viel-
mehr muß der abstrakte Vertrag aus dem Grundbuchrechte
1) K. 62 folg-, 77 folg. Man vergleiche übrigens auch W e ndt selbst,
S. 38: „Dieselbe Vereinbarung giebt mit der obligatorischen Wirkung auch
schon die dingliche Rechtsfolge."
2) l. 50 D. de R. V. 6, 1.

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