Full text: Volume (Bd. 29 = N.F Bd. 17 (1890))

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W. Kindel,

betrifft, so ist nur der publicianische Gedanke festzuhalten, daß
jeder legitimirte Besitzer eines Hypothekenbriefes über die Hy-
pothek in allen ihren Theilen (Geldanspruch, Vermögenshaftung,
Grundftückshaftung) so verfügen kann, als wäre er berech-
tigt. Es ist dies der berechtigte Standpunkt des Allgemeinen
Landrechts §§ 422 folg. I. 20. Als hoch erfreulich ist es
daher zu begrüßen, daß sich gerade gemeinrechtliche Juristen
für denselben so unumwunden aussprechen. Aus diesem publi-
cianischen Satze folgt aber nicht, daß die Hypothek irgend wie
von ihrem Rechtsgrunde gelöst sei. Im Gegentheil. es stehen
dem Hypothekengläubiger trotz seiner Eintragung alle Einreden
aus dem Vertrage entgegen (§ 422), sie versagen nur gegen
gutgläubige dritte Erwerber, soweit sie nicht aus dem Doku-
ment hervorgehen (§ 423). Diese Abschneidung der Einreden
erfolgt, weil die dritten Erwerber durch gültigen Vertrag von
ihrem Auktor erworben haben. Auch scheint es ganz be-
gründet, wenn man den lukrativen Erwerb eines Dritten
ungünstiger beurtheilt (§ 423 „durch einen lästigen Vertrag").
Auch die Römer haben die causa lucrativa dem Kaufe nicht
in allen Punkten gleichgestellt.
Wenn wir nun so unsere Uebereinstimmung mit Wendt
in den leitenden Ideen zu bekennen haben, so wird es doch
unsere Sache sein, auch die Unterscheidungen in einzelnen Punk-
ten hervorzukehren. Diese Unterschiede scheinen uns darauf
zu beruhen, daß Wen dt die Dogmen noch nicht ganz abge-
streift hat, wie sehr er auch überall betont, daß sie für die
Gesetzgebung keine Bedeutung beanspruchen können.
Er meint S. 37, daß die Verträge, welche Obligationen
begründen, und der Vertrag, welcher Eigenthum überträgt,
nothwendig diese Verschiedenheit haben, daß jenen ein Ein-
gehen auf den Inhalt unerläßlich ist, da Obligation und Ver-
pflichtung nicht anders als in einzeln zu bestimmender Ruh-

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