Full text: Volume (Bd. 29 = N.F Bd. 17 (1890))

Konsensprinzip oder § l. l. 10 A.L.R. ? 403
aufgebauten preußischen Grundbuchgesetze mit dem wundärzt-
lichen Messer operiren *). Auf ein solches Unternehmen kann
sich ein großes Reich nur dann einlassen, wenn die Grund-
lagen in der sichersten Weise befestigt sind. Ist aber die
Ansicht des Verfassers richtig, so fällt ein wissenschaftliches
Vorurtheil, und die Rechtsentwicklung Deutschlands wird vor
einem verhängnißvollen Fehler bewahrt. Der Verfasser nahm
daher an, daß er seinen Zweck gar nicht verfehlen könne, da
er für die entgegengesetzten Alternativen berechnet ist.
Dies sind die Motive seines Handelns. Er würde sie
nicht offenbart haben, wenn sie ihm nicht gewaltsam entriffen
wären, hofft aber nunmehr einen Angriff auf seine Person
nicht mehr erwarten zu sollen.
Da diese Absichten bereits in dem Werke selbst ange-
deutet sind 2), mußte ihm der Vorwurf, daß er gegen die
Pandektisten und die Verfasser des Entwurfs Angriffe schleu-
dere, ganz unerwartet kommen. Sein Werk kennt, soviel er
weiß, das Wort „Pandektist" überhaupt nicht, es bekämpft
unter voller Anerkennung der Aufgaben der Wissenschaft 1 2 3)
lediglich ein Dogma der römischrechtlichen Theorie. Daß dieser
Widerspruch irgend eine persönliche Beziehung haben sollte,
ist an sich unglaublich. Der Verfasser tritt gerade der Mei-
nung von Männern entgegen, die er persönlich aufs höchste
verehrt, und denen er das Meiste verdankt. Noch unhaltbarer
ist die Annahme, daß die Verfasser des Entwurfs als Personen
1) Siehe Bähr, Jahrbücher, Jhering XI S. 56. Namentlich
wird von diesem Schriftsteller die Ausdehnung deS Konsensprinzipes ans
daS Hypothekenrecht bekämpft.
S. 54: „eine solche formale Selbständigkeit, wie sie der Entwurf hier
schaffen will, giebt es gar nicht."
S. iii: „Können wir denn aber im Jahre 1870 zu dem rohen
Formalismus eines vorhistorischen Zeitalters zurückkehren?"
2) K. XXVII, XXVIII. K. 50.
3) K. XVIII, XIX.

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