Full text: Volume (Bd. 29 = N.F Bd. 17 (1890))

Konsensprinzip oder § l. I. 10 A.L.R. ? 399
In diesen rein wissenschaftlichen Kampf tritt ein Aufsatz
des Professors Wendt „Rechtssatz und Dogma" ein* 1 2), in-
dem er ebenfalls ausführt, daß Lehrsätze der Theorie für die
Gesetzgebung nicht maßgebend sind (S. 3V), und daß auch
das Dogma des Konsensprinzipes nicht aufrecht erhalten wer-
den kann (S. 53).
Wenn man Wendt als den Vertreter der Pandektentheorie
betrachten könnte, würde der Verfasser alles erreicht haben, was er
beabsichtigte?). Er hätte an sich also keinen Grund, auf den Aufsatz
zu erwidern. Er weiß sehr gut, daß ein Schriftsteller Lob und
Tadel ruhig über sich ergehen lassen soll. Am wenigsten hätte
ihn die Verwerfung seiner Ideen beunruhigt, da er durch die
Herausgabe seines Buches nur dem entsprechen wollte, was
er für die Pflicht eines Bürgers des Deutschen Reichs, ins-
besondere die Pflicht eines preußischen Beamten hielt. Auch
sind die in Rede stehenden Fragen von einer solchen Bedeu-
tung, daß man nicht hoffen kann, sie in dem Hin und Her
bloßer Broschüren zu lösen, daß vielmehr zu ihrer Klärung die
angestrengteste und eindringendste Arbeit nothwendig ist. Der
Verfasser beabsichtigte daher, alle etwa erfolgenden Einwürfe
zu sammeln und demnächst, und zwar nach langer Zeit, zu
besprechen. Da nun aber der Aufsatz Wendt's ohne ersicht-
lichen Grund die Stellung des Verfassers als eines preußischen
Beamten in die wissenschaftliche Debatte zieht, da er auf die
von ihm vertretene Sache zwar unbestimmte, aber um so
bedenklichere Schatten wirft, ist der Verfasser wider seinen

Landrechte die praktische Rechtsvernunft vertreten sei, trotzdem können wir
in ihm nur die Verkörperung der deutschen Praxis, ja der modernen Rechts-
ideen überhaupt erblicken.
1) Jahrbücher für die Dogmatik (Jhering) Bd. XXIX i. Heft
S. 29—106 (citirt W.).
2) K. 102.

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