Full text: Volume (Bd. 29 = N.F Bd. 17 (1890))

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Prof. Strohal,

klagen können. Ich halte dies für ein unannehmbares Resultat
und gelange somit zur umgekehrten Lösung *6).
y) Der Nutzbesitzer überschreitet offensichtlich zwar nicht
quantitativ (vgl. a) aber qualitativ die Schranken bloßen Nutz-
besitzes. Beispiele: Der Pächter eines Gutes schickt sich an,
auf dem Pachtgrundstücke stehende Gebäude abzubrechen und
die Obstbäume umzuschlagen, oder auf den zur Fruchtziehung
bestimmten Grundstücken Gebäude zu errichten, Teiche anzu-
legen u. s. w.; der Nießbraucher eines Grundstücks, einer
Apotheke u. s. w. verschleppt das gesammte bewegliche Inventar,
um es zu verkaufen u. dgl.
Nach dem Rechte des Entwurfs ist dem Eigenbesitzer in
Fällen solcher Art jeder possessorische Schutz versagt. Trotzdem
steht demselben aber, wenn auch nicht Eigenmacht nach § 815,
so doch sicherlich nach § 189 Entw. zu; im übrigen ist der
Eigenbesitzer lediglich auf die Klage aus dem Kontraktsver-
hältnisse angewiesen.
Ich kann hierin nur einen zu den unerträglichsten Konse-
quenzen führenden Mißgriff erblicken. Insoweit lediglich das
Verhältniß zwischen dem Eigenbesitzer und dem von ihm be-
stellten Nutzbesitzer in Frage kommt, wird es in den meisten
hierher gehörigen Fällen allerdings so ziemlich auf dasselbe
hinauskommen, ob man den Eigenbesitzer nur zur Eigenmacht
im Sinne von § 189 statt von § 815 Entw. befugt erklärt,
bezw. ob man ihm neben der Kontraktsklage auch die possessorische
Klage zugesteht oder versagt. Der Unterschied zwischen beiden
Behandlungsweisen tritt jedoch sofort hervor, sobald dem
Eigenbesitzer nicht der Nutzbesitzer selbst, sondern von diesem
46) Vgl. auch die überzeugenden Ausführungen von Re atz in den
Gutachten des Anwaltstandes Heft IX S. 804, ferner Bähr in diesen
Jahrbüchern xxvi S. 309 und Arch. f. bürg. R. II S. m und v.
Jhering a. a. O. S. 210.

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