Full text: Volume (Bd. 29 = N.F Bd. 17 (1890))

374 Prof. Strohal,
erwachsen. Allein im einzelnen bleibt dabei noch manches
zweifelhaft.
1) Von besonderer Wichtigkeit ist dabei insbesondere die
Frage, wie es mit dem Schutze des Eigenbesitzers zu halten
ist, welchem ein in der Inhabung befindlicher Nutzbesitzer gegen-
übersteht? Dieses Problem zerfällt offenbar wieder in eine
ganze Reihe von Detailfragen.
a) Darf sich der Eigenbesitzer gegenüber dem Nutzbesitzer
der Eigenmacht bedienen, wenn dieser nach Ablauf der
ihm zugestandenem Nutzungszeit die Restitution verweigert?
Die Frage ist prinzipiell sicherlich zu verneinen; denn andern-
falls würde durch Anwendung von Eigenmacht nicht allein
der Entscheidung der oft sehr komplizirten Frage vorgegriffen,
ob die Nutzungszeit wirklich abgelaufen ist, sondern dem Nutz-
besitzer möglicherweise auch ein ihm zustehendes Retentionsrecht
entzogen.
Es scheint mir jedoch nicht überflüssig, unter Vorführung
einiger Beispiele vor fehlerhaften Konsequenzen zu warnen,
welche aus der prinzipiellen Verneinung der gestellten Frage
nicht gezogen werden dürfen: Ein Gutsbesitzer gestattet fah-
renden Leuten, durch einige Tage auf seinem Grunde zu
kampiren; soll auch hier Anwendung von Gewalt ausge-
schlossen sein, wenn die letzteren den Abzug verweigern? Offen-
bar nicht; denn zu fester Inhabung, welche die Basis eines
Nutzbesitzes abgeben könnte, ist es gar nicht gekommen. Ein
anderes Beispiel entnehme ich v. Ihering's „Besitzwillen"
S. 515: Es miethet Jemand im Theater vom Logenschließer
einen Operngucker für die Dauer der Vorstellung. Selbst
wenn man — obschon ich wenigstens dies nicht für unbedenk-
lich halten würde44) — mit v. I Hering geneigt sein sollte,
44) M. E. ist es, wie in den Fällen der N. 18, so auch hier richtiger,
von unselbständiger Inhabung mit vorübergehender Gebrauchsbefugniß zu

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer