Full text: Volume (Bd. 29 = N.F Bd. 17 (1890))

Zum Besitzrecht des Entwurfs eines bürg. Gesetzbuchs f. d. D. R. 369
theilhaftig wird, der ihm während der Dauer des Nutz- oder
Verwaltungsbesitzes fehlte.
Dies wird regelmäßig allerdings nur bei unbeweglichen
Sachen hervortreten. Beispiel: Ist A Eigenbesitzer und B
Pächter d. h. Nutzbesitzer eines Grundstücks, so gewinnt der
bisher ruhende Eigenbesitz des A, sobald B von dem Grund-
stück abzieht, wieder volle Intensität, ohne daß es hierzu eines
besonderen Restitutionsaktes bedürfte 37). Aehnliches kann
übrigens auch bei Mobilien Vorkommen. Beispiel: Jemand
pachtet ein Theater nebst Theatergarderobe; befindet sich die
letztere zur Zeit des Abzuges des Pächters (nicht in dessen
persönlicher Inhabung, sondern) in den Räumen des Theaters,
so wird der Eigenbesitz des Verpächters auch in Ansehung der
Theatergarderobe wieder vollwirksam.
Die hiermit hervorgehobenen Erscheinungen — die sich
übrigens theilweise innerhalb der Kategorie des Nutzbesitzes
wiederholen können — wären offenbar ganz unerklärlich, wenn
die Möglichkeit eines gleichzeitigen mittelbaren Eigen- und un-
mittelbaren Nutz- oder Verwaltungsbesitzes geleugnet werden
wollte.
Nachdem die Nothwendigkeit einer besonderen Normirung
des Eigenbesitzes hiermit dargethan ist, kann es sich jetzt nur
mehr darum handeln, wie weit die Gesetzgebung in der Disfe-
renzirung der Fälle, wo Eigenbesitz nicht vorliegt, zu gehen
hat. In dieser Beziehung dürfte insbesondere die von mir
unternommene Aufstellung der besonderen Kategorie des so-
genannten „Verwaltungsbesitzes" noch manchen Bedenken be-
gegnen. Ich sehe mich deshalb veranlaßt, in thunlichster Kürze
auseinanderzusetzen, daß gerade dieser Besitz sehr bemerkens-
37) Vgl. hierzu Bähr in diesen Jahrbüchern XXVI S. 321 und im
Arch. f. bürg. R. n S. 119 (s. besonders § n Abs. 2 des Bähr'schen
Gegenentwurfs).

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