Full text: Volume (Bd. 29 = N.F Bd. 17 (1890))

32 Otto Wendt, Rechtssatz und Dogma.
und Schwierigkeiten zu bereiten, aus welchen sie sich nur in
langem Ringen zu befreien vermag. Man braucht sich nur
an die „Begriffe" der Rechte zu erinnern. Da heißt es dann
nachher: das Gesetz hat den Begriff in der und der Weise
feftgestellt! Als wenn das in der Macht des Gesetzes stände
und die Frage der Theorie damit abgethan werden könnte.
Die Römischen Rechtsquellen bieten uns zum Theil voll-
endete Muster einer wahren Gesetzessprache und doch wieder
eine große Mannigfaltigkeit, je nach der Eigenthümlichkeit der
einzelnen an der Gesetzgebung betheiligten Faktoren. Von der
Fassung der l6g68 unterscheiden sich edicta und senatus con-
sulta in ganz bestimmter Weise und spiegeln theils die staats-
rechtliche Stellung dieser Organe, theils die Aufgaben der-
selben getreulich wider. Nur daß freilich die verschiedenen
Perioden z. B. den Senat in wechselnder Stellung erblicken
lassen, ohne daß sich damit auch die altüberlieferte Ausdrucks-
weise der Senatusconsulte verändert hätte. In unserer Theorie
werden daraus bekanntlich gelegentlich Schlüsse gezogen, denen
es doch an der historischen Berechtigung fehlt, z. B. betreffend
den Inhalt des 8c^ Velleianum, das nicht mehr dem Privat-
recht angehören soll, sondern dem öffentlichen Recht über-
wiesen wird.
An den späteren Constitutionen, namentlich der griechischen
Kaiser und Iustinians selbst sehen wir dann aber schon sehr
deutlich den Verfall der Gesetzessprache; dieselben sind nicht
nur weitschweifig, sondern vor allem rein dogmatisch ab-
gefaßt.
Worüber wir nun in der Gegenwart berathen und was
Zeit und Gedanken aller Juristen im höchsten Maße in An-
spruch nimmt, ist die Herstellung eines bürgerlichen Gesetz-
buches für das Deutsche Reich. Der nach langer Arbeit vor-
gelegte Entwurf bildet den Gegenstand vielfacher Erörterungen

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