Full text: Volume (Bd. 29 = N.F Bd. 17 (1890))

Die Ungültigkeit der Ehe, insbesondere bei Formmängeln. 313

glaubt man mit Svarez *) unter Rücksicht auf unser „sanfteres
und aufgeklärteres Zeitalter" mildern zu müssen, so muß man
folgerecht diese Härte bei unehelichen Kindern überhaupt aner-
kennen und dahin streben, den Unterschied zwischen ehelichen
und unehelichen Kindern auszuheben. Giebt man dagegen zu,
daß das nicht angeht, ohne das Institut der Ehe im Ganzen
auf das Aeußerfte zu gefährden, so wird man auch das Gleiche
für die Kinder aus einer dolos geschlossenen ungültigen Ehe
gelten lassen müssen. Der Redaktor des Theilentwurfs hat
die Gründe, welche gegen die Bevorzugung der Kinder in
diesem Falle sprechen, so zutreffend dargelegt, daß es schwer
begreiflich ist, warum die Kommission von seiner Vorlage in
dieser Hinsicht abgewichen ist. Vor allem aber ist die Zu-
lassung der Legitimation unehelicher Kinder mittelst einer dolosen
und in vielen Fällen verbrecherischen Eheschließung vom Stand-
punkte der Ethik und Gerechtigkeit schlechthin unerträglich. Es
ist durch die Bestimmungen des Entwurfs ein Mittel gegeben,
um im Ehebruch erzeugten Kindern während des Bestehens
der Ehe die Stellung ehelicher Kinder zu geben. Gelingt es
dem ehebrecherischen Paare durch Täuschung oder Bestechung
irgendwo auf der Welt einen Standesbeamten zu finden, der
einen Eheschließungsakt für sie vornimmt, so erreichen sie, indem
sie dem Vergehen des Ehebruchs das Verbrechen der Bigamie
hinzufügen, durch eben dieses Verbrechen die Ehelichkeit der
im Ehebruch erzeugten Kinder. „Die Herbeiführung der Legiti-
mation der Kinder ist in vielen Fällen das Hauptmotiv,
welches die Eltern der Kinder zu der Eheschließung veranlaßt",
bemerken dazu die Motive (4, S. 929). Gute Vertheidiger
werden für ihren bigamischen Klienten wenigstens mildernde
Umstände erzielen, wenn sie dieses vom Gesetzgeber anerkannte

i) S. 99, 100 der früheren Abhandlung.

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