Full text: Volume (Bd. 29 = N.F Bd. 17 (1890))

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Dr. Otto Fischer,

tatsächlich nach ihrer und Aller Meinung die Stellung ehe-
licher Kinder eingenommen haben, keine Härte zu sein. Denn
die Motive, welche bei materieller Nichtigkeit die große Härte
beweglich zu schildern wußten, schweigen sich hier darüber aus.
Sie beschränken sich (4, S. 845) auf die Bemerkung: „Die
Ausdehnung auf formungültige Ehen scheitert, abgesehen
davon, daß dieselbe in dieser Allgemeinheit zu weit gehen
würde, daran, daß die Voraussetzungen, unter welchen bei
einer formungültigen Ehe die Ehelichkeit der aus einer solchen
erzeugten Kinder anerkannt werden soll, in einer sicheren und
praktisch unbedenklichen Weise sich nicht feststellen und begrenzen
lassen, zumal nach dem Entwürfe eine sormungültige Ehe in
allen Fällen ohne weiteres nichtig ist, eine Ungültigkeitserklärung
derselben nicht stattfindet." Damit sind denn also die Kinder
höchst gutgläubiger Ehegatten, wenn dem Standesbeamten die
der Kontrole der Ehegatten gar nicht unterworfene Genehmigung
der höheren Verwaltungsbehörde gefehlt bat, unehelich, und
es fehlt, wenn der Vater tobt oder widerwillig ist, an jeder
Möglichkeit, ihnen die Stellung ehelicher Kinder zu verschaffen.
Sie führen den Mädchennamen der Mutter. Eine Verwandt-
schaft mit dem Vater und den väterlichen Verwandten kommt
nur als Ehehinderniß, also namentlich nicht bezüglich des Erb-
rechts in Betracht. Der Vater und dessen Erben haben aber
die Pflicht zur Gewährung „nothdürftigen" Unterhalts bis
zum zurückgelegten 14. Lebensjahre *).
Dieselbe scharfe Unterscheidung ist auch bezüglich der
Legitimation unehelicher Kinder durch eine nichtige
Eheschließung gemacht worden. § 1581 Satz 1 verordnet:
„Die Legitimation durch nachfolgende Ehe tritt auch dann ein,
wenn die Ehe ungültig ist, es sei denn, daß die Ehe wegen

1) §8 30 Abs. 3, 1236 Abs. 2, 1568 ff.

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