Full text: Volume (Bd. 29 = N.F Bd. 17 (1890))

Die Ungültigkeit der Ehe, insbesondere bei Formmängeln. 307
hinderniß in Betracht, so daß also namentlich gegenseitiges
Erbrecht ausgeschlossen ist. Außerdem ist bestimmt, daß
die Mutter die Fürsorge für die Person des Kindes nur in
Beisein des Vormundes hat, welchem letzteren die gesetzliche
Vertretung der Kinder obliegt. Der zuletzt gedachte Satz ist
in der Form eines Geduldspiels ausgedrückt. Zunächst sagt
§ 1566: „Die Mutter hat die Pflicht und das Recht, für die
Person des Kindes zu sorgen, nur nach Maßgahe des § 1558
Satz 2." Dann verordnet § 1558 Satz 2: „Die Mutter be-
hält jedoch in einem solchen Falle die Pflicht und das Recht,
für die Person des Kindes zu sorgen, in dem im § 1506
Abs. 1 bezeichneten Umfange und mit der Maßgabe,' daß in
Ansehung der Ausübung dieser Sorge der Vormund des Kin-
des die in § 1540 bezeichnete Stellung eines Beistandes hat."
Die überraschende Lösung des Räthsels giebt dann, abgesehen
von der Ergänzung aus § 1540, der § 1506 Abs. 1 mit den
Worten: „Während des Bestehens der Ehe hat neben dem
Vater auch die Mutter die Pflicht und das Recht, für die
Person des Kindes zu sorgen; es steht ihr jedoch die gesetz-
liche Vertretung des Kindes nicht zu." Lediglich um die
Wiederholung dieses letzten kurzen Satzes zu sparen, ist die
doppelte Verweisung beliebt worden, obwohl der erste Satz
einen für diesen Fall ganz unpassenden Inhalt hat. Auf die
Fälle der einseitigen bona üäes braucht nicht näher einge-
gangen zu werden. Es handelt sich dabei hauptsächlich um
den Verlust der Elternrechte seitens des dolosen oder culposen
Theils.
Vor allem ist nun aber auch hier zu konstatiren, daß
den Kindern aus der Putativehe die Stellung ehelicher Kinder
versagt wird, sobald die Nichtigkeit auf einem Formfehler
beruht. Für diesen Fall scheint plötzlich das Zurückdrängen
der Kinder in die Stellung unehelicher, obwohl sie bis dahin

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