Full text: Volume (Bd. 29 = N.F Bd. 17 (1890))

Zur Lehre vom Besttzwillen.

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aber auf seine Folgen gerichtet, vielmehr treten die Folgen
kraft gesetzlicher Bestimmung ein. Für diese Ihering'sche
Ausführung werden wir um so mehr Verständniß haben, als
wir unter uns in den letzten Jahrzehnten ähnliche Anschau-
ungen mit einander im Conflict sehen; die herrschende Mei-
nung steht auf Seiten Ihering's, zahlreiche Schriftsteller
hingegen vertreten die Ansicht, daß der Wille die errus«. effi-
ciens der Rechts Wirkung sei, „wer ein Rechtsgeschäft er-
richtet, ordnet für sich oder in Uebereinkunft mit einem Anderen
an, daß die ihnen vorschwebende Wirkung jetzt
oder in Zukunft eintreten solle" *).
VI.
Welches ist der Gewinn, den wir aus der Ihering-
schen Untersuchung für unsere künftige Gesetzgebung zu ziehen
haben?
Auf S. 299 und 50l wirft IHering die Fragen auf:
„wer außer dem Juristen weiß denn etwas von Besitz und
Detention? Welcher Laie weiß denn, ob er nach dem gemeinen
Recht Besitz oder Detention erhält?" Ich zweifle nicht, daß
jeder Jurist Ihering zustimmen wird; ist dies aber der Fall,
so folgt daraus, daß der Gesetzgeber den Gegensatz von Besitz
und Detention unmöglich auf den Willen der Person zurück-
führen darf; was würde er damit erreichen? Einen Rechts-
begriff, welcher zwar von den Juristen erörtert und'von den
Richtern angewendet, vom Volke aber nicht verstanden wird.
Man sehe sich nur den heutigen gemeinrechtlichen Rechtszustand
an! Da gilt der Zeitpächter als Detentor, der Erbpächter
als Besitzer, der Depositar als Detentor, der Sequester als
Besitzer, der Commodatar als Detentor, der Precarist (regel-

1) Karlowa, Rechtsgeschäft S. 161.

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