Full text: Volume (Bd. 29 = N.F Bd. 17 (1890))

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I. Baron,

natürlich (führt Ihering weiter aus) der Commodatar und
Depositar nicht mehr sein, wobei noch hinzutritt, daß der Be-
sitzesschutz bei beweglichen Sachen gar keine practische Bedeu-
tung hat. Beide Argumente haben volle Beweiskraft, und
da der Besitzeswille dabei keine Rolle spielte, so war es zulässig,
der Abart des Sequester und dem ähnlichen *) Precaristen
den possessorischen Schutz zu gewähren. Die Gründe dafür,
daß man es that, liegen beim Sequester auf der Hand, be-
züglich des Precaristen entwickelt sie Ihering ausführlich,
indem er die einzelnen Anwendungsfälle des Precarium be-
handelt; dabei stellt er eine große Zahl von neuen Ansichten
auf, insbesondere grenzt er das Besitz- und das Detentions-
precarium von einander ab, indem er die Fälle des letzteren
bestimmt; die Darstellung weicht von der Savigny'schen
durchweg ab; ich gehe auf sie nicht ein, weil ich es nur mit
den Neuerungen Ihering's zu thun habe, die den Besitzes-
begriff betreffen.

V.
Nun zu Paulus und zu seiner von Ihering behaup-
teten Sondermeinung.
Daß nicht bloß Sondermeinungen, sondern auch Sonder-
begriffe einzelner römischer Juristen von den Compilatoren
ausgenommen worden sind, läßt sich Nachweisen. Ich habe in
meinen Condictionen gezeigt, daß die sog. Quasicontracte und
Quasidelicte nur bei Gaius Vorkommen, von ihm sind sie
in die Digesten, namentlich aber in die Institutionen überge-
gangen.
Daß Paulus mehr als ein anderer classischer Jurist
in der Besitzeslehre schriftstellerisch gearbeitet hat, ergiebt der

1) Lst simile commodato, heißt es in 1. 1 § 3 D. de prec. 43,26.

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