Full text: Volume (Bd. 29 = N.F Bd. 17 (1890))

Zur Lehre vom Besitzwillen.

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uti supvrüeie .... fruimini) zugestanden werden, daß
in der Superficies ein Rechtsbesitz gesehen werden darf').
Allein nun entsteht die Frage : weshalb der Unterschied
zwischen Sach- und Rechtsbesitz? Man vergesse nicht, daß
Ihering den Beweis der causa (und dieser wird bei der
Superficies verlangt) bei beweglichen Sachen für practisch
unausführbar hält, bei Immobilien sei er ausführbar, aber
„eine Besitzesklage, welche an den Beweis der causa geknüpft
ist, ist da, wo sie am Platz wäre, entbehrlich, da sie durch
die Publiciana ersetzt wird 1 2), wo letzteres nicht der Fall, nicht
am Platz" (S. 167). Diese Worte gelten vom Rechtsbesitz
gerade so wie vom Sachbesitz, und es war Ihering's Auf-
gabe, die verschiedene Behandlung des Rechtsbesitzes innerlich
zu motiviren. In dieser Beziehung befriedigt mich seine Aus-
führung nicht; wenn ich aufmerksam gelesen habe, so macht
er hierüber bloß eine einzige Bemerkung: „hätte der Prätor
den Richter nicht auf die Daseinsfrage der Superficies ver-
wiesen, woran hätte derselbe den Superficiar von dem ge-
wöhnlichen Miether unterscheiden sollen?" (S. 185.) Allein
ganz dieselbe Frage kann bezüglich des Sachbesitzes aufge-
worfen werden, auch der Sachbesitzer kann äußerlich nicht vom
bloßen Miether unterschieden werden. Der Ihering'sche
Grund kann also nicht richtig sein. Eher scheint mir, man müsse
den Umstand betonen, daß der Rechtsbesitz im Römischen Recht
als Anomalie gilt und in dem ersten Stadium seiner Ent-
wicklung steht; da mag der Prätor für seinen possessorischen

1) Ihering (S. 385—388) schreibt dem. Superficiar bald Rechts-,
bald Sachbesitz zu, genauer: bald das int. äs supsrüeisdus, bald das ut>
possidetis.
2) Es erkennt übrigens Ihering (S. 440 Anm. u. S. 532, 533)
daneben an, daß der Vermiether, der gegen den Miether das int. uti poss,
anstellt, die Causa chas Miethsverhältniß) Nachweisen müsse.

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