Full text: Volume (Bd. 29 = N.F Bd. 17 (1890))

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I. Baron,

nicht kennt, dennoch aber (eben weil es auch den bloßen In-
haber possessorisch schützt) keine Lücke aufweist. Sodann wegen
der Beweisfrage.
Die Frage nach dem Beweise des animu8 domini ist in
der gesammten Literatur der historischen Schule vernachlässigt
worden*); ich habe a. a. O. die Andeutungen der Römischen
Quellen und die Anschauungen der gemeinrechtlichen Practiker
dargelegt; natürlich ging ich dabei von dem herrschenden, regel-
mäßig an den anirnu8 domini geknüpften Begriff des juristi-
schen Besitzes aus. Der animu8 domini, der an sich eine
innere Thatsache ist, muß, um bewiesen zu werden, sich in
äußeren Thatsachen manifestiren, aber diese Thatsachen sind
durchaus zweifelhaft; „wenn Jemand einen Acker bestellt, ein
Haus bewohnt, ein Pferd reitet, so geschieht dies vielleicht
deshalb, weil er Eigenthümer ist, vielleicht aber, weil er Acker,
Haus und Pferd gemiethet hat, vielleicht endlich, weil ihm
aufgetragen ist, für den Eigenthümer den Acker zu bestellen,
das Haus als Wächter zu bewohnen, das Pferd zur Probe
zu reiten." Weil nun aber von der Sicherheit und Leichtig-
keit des Beweises die practische Brauchbarkeit des Besitzinstituts
abhängt, so erschien mir der Römische Begriff des juristischen
Besitzes vom practischen Standpunkte aus bedenklich.
Die gemeinrechtlichen Practiker haben sich an die eben
gedachten zweifelhaften Handlungen gehalten, in langen Cata-
logen führen sie sie auf, und wenn ihnen zuletzt Bedenken
gegen die Schlüssigkeit eines „actu8 po88688oriu8" aufsteigen.

i) Ein einziger (Albert, int. uti poss. §§ 79, 91) ist allerdings
darauf eingegangen, aber er hat bloß die von den gemeinrechtlichen Prak-
tikern aufgestellte Ansicht kurz acceptirt. In meinen Abhandlungen S. 4
findet sich ein Druckfehler; der Titel der Schrift ist richtig angegeben, aber
als NamedeSVerfassers ist irrthümlich Wiederhold (statt Albert) ange-
führt; daher die Bemerkung Jhering's (Besitzwille S. 178 Anmerkung).

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