Full text: Volume (Bd. 29 = N.F Bd. 17 (1890))

Zur Lehre vom Besitzwillen.

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Eigenthum, sondern auch Besitz zu; der Fall hat um so grö-
ßere Bedeutung, als Paulus in l. 1 § 6 D. de acq. poss.
41, 2 dem liber homo ausdrücklich die Besitzfähigkeit abspricht;
IHering findet in dieser Meinung des Paulus eine ihm
allein ungehörige, aus seiner Theorie vom animus possidendi
gezogene Schlußfolgerung. Allein die Annahme I Hering 's
wird durch die Quellen widerlegt, denn auch Ulpian spricht
dem über bomo die Besitzfähigkeit ab:
I. 118 D. de reg. iur. 50, 17: Qui in servitute
est1 2 3), usucapere non potest, nam cum possideatur,
possidere non videtur.
Wegen dieser Stellung Ulpians nehme ich nicht an,
daß die Regel plus est in re quam in existimatione men-
tis in dem Fall des über bomo bona fide serviens von
allen römischen Juristen angewandt wird, ich gebe jedoch nicht
zu, daß daraus ein Argument gegen I Hering's Theorie ab-
zuleiten ist. Ganz abgesehen davon, daß nach Ulpian ein
besonderer Rechtsgrund vorhanden ist, der die Regel plus est
in re im vorliegenden Fall ausschließt (nam cum possi-
deatur), so läßt sich aus 1. 2 § 2 I). pro emt. 41,4 Nach-
weisen, daß das Gebiet der Regel noch zur Zeit der späteren
classischen Juristen kein fest umgrenztes war?); Sabinus
hatte sie ausgestellt und sie in dem Fall angewendet, daß der
Käufer den Verkäufer fälschlich für einen Richteigenthümer
hält b); er ließ auf Grund der Regel den Käufer Eigenthum
erwerben; Paulus überträgt sie nunmehr auf den Fall des

1) Die Worte qui in servitute est werden zwar auch von Sklaven
gebraucht (I. 4 D. de iust. et iure 1, 1), allein die Worte usucapere non
potest lassen eine Beziehung auf Sklaven nicht zu.
2) Ich habe hierauf in meinen Pandekten § 144 Note 15 aufmerksam
gemacht.
3) Vgl. i. 2 § 2 cit. und 1. 9 § 4 de iur. ign. 22, 6.

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