Full text: Volume (Bd. 29 = N.F Bd. 17 (1890))

Ueber Bezahlung bäuerlicher Nachlaßschulden. 187
dem Wesen der Sache Gewalt anthuend, die Stellung des
Anerben gegenüber Dritten, namentlich den Gläubigern, ganz
außer Betracht und ignorirt dieselbe. Die Definition ist des-
halb zu eng. Ferner müssen die Motive zu Art. 84 Entw.
S. 218 selbst anerkennen, daß das lediglich persönliche Recht
des Anerben auf Ueberlassung des Anerbenguts der Vereitelung
ausgesetzt ist, sobald die übrigen Erben oder auch nur einer
von ihnen über die ihnen angefallenen Antheile am Anerben-
gute verfügen. Dem entsprechend giebt der Art. 84 eit. sub
4 den Landesgesetzen die Regelung von Vorschriften frei, nach
welchen im Fall des Eintritts des Anerbenrechts bis zur Aus-
einandersetzung der Antheil eines Erben an dem Anerbengute
ohne Zustimmung der übrigen Erben nicht veräußert oder be-
lastet werden kann, unbeschadet der Zulässigkeit der Zwangs-
vollstreckung wegen einer Nachlaßverbindlichkeit. Diese Cautel
entfällt dann aber als überflüssig, wenn, wie es nach den
Gesetzen für Hannover, Lauenburg, Bremen, Schaumburg-
Lippe rc. der Fall ist, der Anerbe das Eigenthum an dem
Hofe nicht aus der Hand der Milerben empfängt, sondern ex
lege unmittelbar erwirbt. Besagte Begriffsbestimmung ist aber
auch um deswillen zu eng, weil das Anerbenrecht auch da ein-
tritt, wo nur ein, keine Miterben neben sich habender De-
scendent in den Hof successionsberechtigt ist. — Als zweiten
Grund dafür, daß von der gesetzlichen Feststellung der Haftung
des Anerben gegenüber den Gläubigern für die Schulden der
Miterben abzusehen, geben die Motive zu Art. 86 Einf.-G.
werden könnten, wenn der das Anerbenrecht nach Analogie eines Vindi-
kationslegats unmittelbar erwerbende Empfänger über dasselbe zum Nach-
theile der Nachlaßgläubiger zu verfügen vermöge, so ist auf die bereits im
Text versuchte Ausführung hinzuweisen, wonach die Rechte der Nach-
laßgläubiger am besten bestellt sind, wenn der Hof unmittelbar kraft
Gesetzes nur dem Anerben zufällt und sie zunächst nur diesen allein in
Anspruch zu nehmen brauchen.
XXIX. N. F. XVII.

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