Full text: Volume (Bd. 29 = N.F Bd. 17 (1890))

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Sprenger,

vermögenslose und in aller Welt zerstreute Miterben, sich allein
an den in Folge seiner Bevorzugung bezüglich des Hofser-
werbs mehr an die Scholle gebundenen Hofserben zu halten
haben. Erkennen doch die Motive zu § 2051 Entw. bürgert.
G.B. (Mot. Bd. 5 S. 529 oben) bei Besprechung des von
ihnen freilich festgehaltenen gemeinrechtlichen Grundsatzes, daß
die Erben für die ip80 jure getheilten Schulden je nach Der-
hältniß ihrer Erbtheile hasten, es selbst als einen Uebetstand
an, daß die Gläubiger beim Vorhandensein einer großen An-
zahl von Miterben ohne ihr Zuthun anstatt eines Schuldners
eine große Anzahl von Schuldnern erhalten, wodurch ihre
Forderungen erheblich verringert werden können. Aus diesen
Gründen erscheint es sehr bedenklich, den tief ins Volksbe-
wußtsein eingedrungenen Grundsatz, daß der Hofsannehmer
auch den Hof mit Schuld und Unschuld annehmen und folge-
weise nicht nur seinen Miterben, sondern auch den Nachlaß-
gläubigern voll hasten müsse, gänzlich zu verlassen, und
dennoch hält es der Gesetzgeber nicht einmal für angemessen,
es auszusprechen, daß die Verpflichtung, welche der Anerbe
gegenüber seinen Miterben auf Deckung ihrer Schulden im
gedachten Umfange haben soll, auch direkt gegenüber den
Nachlaßgläubigern bestehe, und zwar aus zwei nicht stichhal-
tigen Gründen "). Der erste derselben geht dahin: Schon an
sich würde es nicht angemessen sem, die Haftung des als
Vorausvermächtnißnehmer behandelten Anerben gegenüber den
Nachlaßgläubigern zu regeln, nachdem im Entw. bürgerl. G.B.
davon abgesehen sei, die Haftung desjenigen Erben gegenüber
den Nachlaßgläubigern näher zu bestimmen, welchem der Erb-
lasse in Verbindung mit einer Theilungsanordnung ein Vor-
ausvermächtniß mit der Verpflichtung zugewandt habe, gewisse

19) Mot. zum Art. 86 Entw. S. 224.

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