Full text: Volume (Bd. 29 = N.F Bd. 17 (1890))

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Sprenger,

rechtsund der gängigen Specialliteraturb), ferner auch in
vielen Urtheilen, namentlich aus der vor dem neuesten Höfe-
gesetze bestandenen Hannoverschen Praxis als die richtige be-
stätigt. In einer Anzahl von Urtheilen — Lüneburgischen,
Bremischen, Hoyaschen und Calenbergischen Sachen7 8 9) — ge-
langt das Princip zum Durchbruch, daß der nach Anerben-
recht in den Hof Succedirende als alleiniger Universalsuccessor
die Verpflichtungen des Erblassers auch vollständig zu erfüllen
habe, ohne auf das Vorhandensein von Milerben sich berufen
zu können. In der Bremer Sache (Eichholz e. Cohen vom
September 1872) wurde hierbei insbesondere ausgesprochen,
daß die Abfindlinge von einer bäuerlichen Stätte, möge ihnen
auch der Charakter von Erben im Allgemeinen nicht abge-
sprochen werden, jedenfalls nur als Keredes ex re certa be-
urtheilt werden dürfen. So gut wie die letzteren nach oonst.
3 Cod. de hered. inst. (6, 28) von der Haftung für Erb-
schastsschulden befreit seien, so gut müsse dasselbe auch von
den abgehenden Kindern gelten, welchen ihr Erbtheil nur in
der Form bestimmter Abfindungssummen zugewandt werde.
Man ging also, nachdem die Lehre von der Gesammtnach-
folgerqualität des Hofserben sich eingebürgert hatte, immerhin
nur so weit, die danach ausgestellte juristische Personeneinheit
nur für das Verhältniß des Erblassers zu dem Anerben als
vorhanden anzunehmen, nicht aber dieselbe auf die übrigen

7) von Eichhorn, Deutsch. Privatr. (3. Ausl.) § 364, Note o.
Walter, D. Privatr. 522 sud 2. Bluntschli, D. Privatr. 8 206,
3. Beseler, D. Privatr. § 187 Note 15.
8) Runde, JnterimSw. § 65 Note h—k. Niemeier, Hoyafches
Meierrecht § 29 S. 177. Meyer, Lipp. Colonatr. Bd. i S. 369 unter
Hinweis auf die oben gedachten Urtheile der Juristenfakultäten zu Göttingen
und Jena.
9) F r a ncke, Bauernrechtl. Entsch. des O.A-G., A.G. u. O.L.G. Celle
auS d. I. 1860—84 Nr. 78-81.

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