Full text: Volume (Bd. 29 = N.F Bd. 17 (1890))

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Sprenger,

sondernden Hofsbestandes und Allodialvermögens, welche wohl
dadurch mit veranlaßt sein mochte, daß die größtenteils selbst
sich in einem Lehnsverbande befindenden Gutsherren auch den
gutsherrlichen Verband über ihre Meier lehnsähnlich behandelt
wissen wollten, verfehlte freilich, und zwar zum Besten der
Gutsherren, zum Schaden der ohne gutsherrlichen Consens
forderungsberechtigten Gläubiger zu einer Zeit, wo der Bauern-
stand vielfach noch in strenger Leibeigenschaft gehalten und
meist verarmt war, keineswegs den damit verbundenen Zweck,
daß die Höfe wenigstens zur Erschwingung der gutsherrlichen
Lasten prästationsfähig oder, wie es in den älteren Landes-
verordnungen häufig heißt, in 6886 blieben. Eben diese Auf-
faffung ist jetzt, wo der gutsherrliche Verband in Deutschland
meist abgelöst worden, ganz veraltet, immerhin ist sie bis in
die zweite Hälfte dieses Jahrhunderts hinein noch vereinzelt
vertreten gewesen. Ein in einer Lippischen Sache sich darüber
verbreitendes Urtheil der Göttinger Iuristenfakultät de De-
cember 1843 besagt : „Es sind nun aber die Rechtslehrer
und von 1785 (L.V.O. Bd. IIIS. 110). Jedoch sollten nach demGeneral-
rescript v. 26. März 1818 (L.V.O. Bd. IV S. 377) gemäß einem daselbst
angeführten Gutachten der Iuristenfakultät zu Göttingen die Gerichte dann
wegen gutSherrlich nicht confentirter Schulden den Verkauf des Colonats
zur Befriedigung der Creditoren zu verfügen befugt sein, wenn gericht-seitig
in concreto anerkannt sei, daß der Colon freventlicher und betrügerischer
Weise sein eigenes Vermögen übersteigende Schulden contrahirt habe.
6) Das Urtheil weist hin auf Mittermaier, Grunds, d. g. d.
Priv.R. (6.Aust.) Th. 2 ß 497 629. Runde, JnterimSw. (2.Ausg.)
§ 65 S. 153. Spangenberg, Prakt. Erört. Th. 1 S. 291. Das-
selbe ist abgedr. in Meyer's Lipp. Colonatr. Bd. 2 Nr. 73. Ebenso
erklärt ein gleichfalls in einer Lipp. Sache ergangenes Urtheil der Juristen-
fakultät zu Jena v. l. Februar 1844 (abgedr. bei Meyer, l. c. Nr. 79)
die Anficht, daß hinsichtlich der Succession in das Bauerngut die Grund-
sätze von der Lehnssuccession analog anzuwenden, über etwaiges Allodial-
vermögen de- verstorbenen Gutsinhabers dagegen die Grundsätze von der
Allodialsuccesston entscheidend seien, für durchaus grundlos.

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