Full text: Volume (Bd. 29 = N.F Bd. 17 (1890))

Ueber Bezahlung bäuerlicher Nachlaßschulden. 173
die Nachlaßschulden angeregten Beziehungen mehr Beachtung
zu Gunsten der abfindungsberechtigten Geschwister und zu
Gunsten der Gläubiger des verstorbenen Hofsbesitzers finden
möge, und anschließend hieran eine Erörterung darüber, welche
Ergänzungen oder Aenderungen des besagten Paragraphen mit
Bezug hierauf erforderlich erscheinen, soll der Zweck dieses Auf-
satzes sein.
I.
Wohl schon seit der Zeit, wo man anfing, das Bauer-
recht hie und da bezüglich einzelner Materien durch landes-
herrliche Verordnungen zu regeln, jedoch noch vor dem Erlaß
der neuesten bäuerlichen Höfegesetze und Güterordnungen, welche
in den Motiven zum gedachten Einführungsgesetze aufgezählt
werden, standen sich hinsichtlich der Frage, wer die bäuerlichen
Nachlaßschulden zu bezahlen habe, und welche Grundsätze hier-
bei maßgebend seien, zwei Hauptauffassungen direkt gegenüber.
Nach der älteren von diesen ist die Nachfolge in den Hof
ebenso, wie die Lehns- oder Fideikommißfolge eine von dem
sonstigen Nachlasse ganz gesonderte. Es liegen danach zwei
ganz verschiedene Erbmassen bezw. Successionen vor, welche
nichts mit einander gemein haben. Daraus ergiebt sich, daß
sich die Schuldenhaftung nach dem gewöhnlichen Rechte zu
richten hat, wobei unter der Voraussetzung des früher bei der
Existenz des gutsherrlichen Verbandes regelmäßig erforderlichen
gutsherrlichen Eonsenses zu der gewirkten Schuld nur das
Allodialvermögen und die Früchte des Hofs, nicht aber der
Hof selbst und dessen Werth zwecks Schuldentilgung herange-
zogen werden durften 5). Eben diese Auffassung des streng zu

5) So nach der Lauenb.Hofger.-Ordn. von 1681, cf. Hagemann-
Spangenberg, Prakt. (Stört. Bd. 9 S. 247 und nach den älteren
Schaumb.-Lipp. Landesverordnungen von 1716 (L.B.O. Bd. H S. 167)

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