Full text: Volume (Bd. 29 = N.F Bd. 17 (1890))

Die Physiologie des JrrthumS.

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diger kann sich nicht mehr aufJrrthum berufen,
es fteht ihm zur Entlastung nur ein dreifacher Beweis offen,
entweder: daß er zu der That berechtigt war (z. B. durch
Nothwehr), oder: daß der Schaden, dessen physischer Urheber
er geworden ist, unvermeidlich war (die sog. höhere Gewalt),
oder: daß der Verletzte den Schaden selbst verschuldet oder
mitverschuldet hat. Hier wie sonst muß der Gesetzgeber sich
allerdings darauf verlassen, daß der Richter die Worte „un-
vermeidlich" und „mitverschuldet" verständig auffasse.
Ueber den Grundsatz selbst noch ein Wort. Ein Anderes
ist die strafrechtliche Verantwortlichkeit für eine That: diese
verlangt das sorgfältigste Eingehen auf die Persönlichkeit des
Thäters, der sich gegenüber der auf ein Fahrlässigkeitsvergehen
lautenden Anklage nicht bloß auf Irrthum, sondern unter Um-
ständen selbst auf Dummheit berufen kann, — ein Anderes
die civilrechtliche Haftbarkeit für die Folgen der That: diese
muß nach objektiven Normen geregelt sein, wenn nicht der
Willkür des Richters Thür und Thor geöffnet werden soll;
wollte man ihm Berücksichtigung des Irrthums gestatten, so
müßte folgerichtig auch die Dummheit vor ihm Gnade finden.

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