Full text: Volume (Bd. 29 = N.F Bd. 17 (1890))

112 G- Pfizer,
sondern etwas von innen Kommendes, etwas Angeborenes ist
— „ein angeborenes Unglück", meinen die Einen, „ein ange-
borenes Glück", sagen mit Rücksicht auf den Lauf der Welt
die Andern (G ellert: „Für Görgen ist mir gar nicht bange,
der kommt gewiß durch seine Dummheit fort"). Unähnlich
aber ist der Dumme dem Geisteskranken, sofern er zwar ver-
möge seiner Dummheit geneigt ist, annähernd ebenso verkehrt
wie der Geisteskranke zu handeln, aber doch die Fähigkeit zu
richtigem Handeln hat — die Geisteskrankheit, nicht aber der
Irrthum schließt die Handlungs- oder Zurechnungsfähigkeit
aus —: ein begrifflich recht schöner Unterschied, der aber freilich
im Leben nicht immer die Probe hält; Dummheit, Schwach-
sinn, Blödsinn sind Geisteszustände, die unmerklich ineinander
übergehen, und auch der Physiologe wird vergeblich die Merk-
male dieser Zustände, genauer: die Uebergänge von einem Zu-
stand zum andern, aus den Windungen des Gehirns u. dgl. zu
erklären versuchen — ein Umstand, dem der Entwurf in seinen
Bestimmungen über Handlungsfähigkeit und Pflegschaft meines
Erachtens nicht genügend Rechnung getragen hat.
Beruht das verkehrte Handeln des Dummen auf Irrthum ?
Eine andere Fassung derselben Frage ist die: macht sich der-
jenige, der lediglich die Dummheit eines Andern zu seinem
Bortheil ausbeutet, eines Betrugs schuldig? Ich glaube, daß
die eine wie die andere Frage zu verneinen ist. Der Dumme
ist allerdings auch mehr als ein Anderer der Gefahr ausgesetzt,
betrogen zu werden, d. h. Vorspiegelungen falscher That-
fachen für wahr zu halten; das ist aber nicht die einzige
Art, wie er ausgebeutet wird, die Ausbeutung kann auch
ohne Vorspiegelung falscher Thatsachen erfolgen; ein Beispiel
solcher Ausbeutung habe ich an anderem Ort (Gerichtssaal
Bd. 41 S. 325) angeführt: zwei Bauernfänger schlugen einem
etwas einfältigen Handwerksburschen eine neue Art von Spiel

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