Full text: Volume (Bd. 29 = N.F Bd. 17 (1890))

100 Otto Wendt, Rechtssatz und Dogma.
Grundschuld auf eine selbständige Anordnung und stellt sie
also unmittelbar unter das Hypothekenrecht. Die Motive
S. 785 verweisen unmittelbar und ausdrücklich auch für
die Grundschuld auf den § 1084. Hypothek und Grund-
schuld sind also in dieser wichtigen Frage einander ganz
gleich gestellt, und der Glaube an einen begrifflichen Gegensatz
zwischen beiden sollte eigentlich schon hierdurch stark ins Wanken
gerathen. Maßgebend für diese Gleichstellung ist der öffentliche
Glaube des Grundbuchs und der in ihm enthaltenen Einträge.
Auch die Motive (S. 607) bekennen: „es ist in der That nicht
zu leugnen, daß, wenn der Schutz, welchen der öffentliche
Glaube des Grundbuchs der Erwerbung dinglicher Rechte ge-
währt, bei der Hypothek auf die Forderung ausgedehnt wird,
dies nicht geschehen kann, ohne das dingliche Sicherungsrecht
von dem durch dasselbe zu sichernden persönlichen Rechte zu
lösen". „Denn wenn dem Erwerber einer eingetragenen Hypo-
thek die Ungültigkeit der Forderung oder die Erfüllung der
Verbindlichkeit des Schuldners bei der Rechtsverfolgung gegen
das Grundstück nicht entgegengesetzt werden kann, so heißt das
nichts Anderes, als daß die Hypothek zu einem selbständigen
Rechte an dem Grundstück geworden ist." Nun soll in der
That der öffentliche Glaube des Grundbuchs nach § 1083
auch dem Rechtsbestande der Obligation zu Gute kommen und
dem entsprechend ist in § 1084 die Vertheidigung des Be-
klagten gegen die hypothekarische Klage in der Weise beschränkt,
daß nur die aus dem Grundbuch selbst sich ergebenden Ein-
wendungen und außerdem nur solche zulässig bleiben, welchen
der öffentliche Glaube nach § 1083 nicht entgegensteht. Neben-
bei bemerkt, ist die Fassung des § 1084 gewiß keine glückliche,
insofern die Beschränkung der Einreden, welche doch als das
Wesentliche erscheint, sich völlig in einen Nach- und Nebensatz
zurückzieht. Diese Fassung tonnte ja die Vorstellung aufkornnren

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