Volltext: Jahrbücher für die Dogmatik des heutigen römischen und deutschen Privatrechts (Bd. 23 = N.F Bd. 11 (1885))

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Amtsrichter Voß,

heit begnügen wollen, daß die controversia pignoris capti
(1. 15 § 4 D. 42, 1) weder die Bezeicbnnng noch die ge-
schichtliche Entwickelung der Negatorienklage an sich trägt. Ver-
folgt man aber die allmählige Umwandelung der controver-
8ia pignoris capti bis in das heutige Eivilprozeßrecht, so ge-
langt man sehr bald zu der Ueberzeugung, daß eine sichere
materielle Grundlage für die controversia pignoris capti und
zugleich für die Widerspruchsklage des heutigen Prozeßrechts
nur dann zu gewinnen ist. wenn man das Verhältniß dieser
Klagesormen zu der römischen Negatorienklage richtig zu be-
stimmen vermag. Dies ist wiederum nicht möglich, wenn
nicht die Negatorienklage selbst mit sicheren Grenzen Umrissen
werden kann.
Prüfen wir aus diesem Gesichtspunkte die gangbarsten
Darstellungen der Negatorienklage, so läßt sich nicht verkennen,
daß es den meisten, wenn nicht allen, an hinlänglicher Be-
stimmtheit, weniger des Gedankenganges als des Ausdruckes,
fehlt. Die Grenzen, welche uns die beabsichtigte Untersuchung
der controversia pignoris capti ermöglichen sollen, sind kei-
neswegs überall so sicher gezogen, daß uns in denselben ein
festes Richtmaß an die Hand gegeben ist. Hiernach dürfte
der Versuch sich rechtfertigen, die Frage einer eingehenderen
Erörterung zu unterziehen:
ob und in wiefern die Negatorienklage geeignet ist, die
römische controversia pignoris capti — die „Interven-
tionsklage" des gemeinen deutschen Prozeßrechtes — oder
die Widerspruchsklage des heutigen Rechtes als mehr oder
weniger eigenthümlich gestaltete Fälle der Anwendung in
sich aufzunehmen?
Der Gang der Untersuchung beschäftigt uns
1) mit der zu dem angegebenen Zwecke erforderlichen Be-
grenzung der Negatorienklage,

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