Volltext: Jahrbücher für die Dogmatik des heutigen römischen und deutschen Privatrechts (Bd. 23 = N.F Bd. 11 (1885))

10. Ueber die Fähigkeit eines zur Zeit des Todes des Erblassers noch nicht concipirten Posthumus, zum Erben eingesetzt zu werden

VIII.

Ueber die Fähigkeit eines zur Zeit des Todes
des Erblassers noch nicht concipirten Posthumus,
znm Erben eingesetzt zu werden.
Von
»r. M. Scherer,
Rechtsanwalt in Mainz.

Nach gemeinem Rechte ist die Frage streitig, ob die testa-
mentarische Erbeinsetzung eines Ungeborenen, der zur Zeit des
Todes des Erblassers noch nicht einmal empfangen ist, Gültig-
keit hat. (Vgl. Arndts, Pandekten § 471 A. 1 und Windscheid,
Pandekten § 535 A. 5.)
In Frankreich ist die Frage durch Art 725 Nr. I Cocte
civil zu Ungunsten des zur Zeit des Todes noch nicht em-
pfangenen Posthumus entschieden. Der Art. 725 Nr. 1 Code
civil, welcher sich an die Ordonnanz an 1735 anschließt, lautet:
„Um Erbe zu sein, muß man nothwendig in dem Augen-
blick der Eröffn»' der Erbschaft existiren. — Nicht erbfähig
sind demnach: 1) Derjenige, der noch nicht empfangen ist."
Uebrigens hat der Gesetzgeber diese Regel in Art. 1048—1050
Code civil bezüglich der Verfügungen, welche zum Vortheil
der Enkel des Schenkers oder Testators oder der Kinder seiner
Geschwister erlaubt sind, durchbrochen.

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