Full text: Jahrbücher für die Dogmatik des heutigen römischen und deutschen Privatrechts (Bd. 23 = N.F Bd. 11 (1885))

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Dr. (§t fei e,

versuchsweise annehmen, es sei der Dissens bezüglich der eau8a
noch vor der Hingabe des Geldes erkannt worden, und uns
fragen: was würde nun geschehen in dem Falle, den Julian
vorausseht, und was in dem umgekehrten Falle? In dem
Iulianischen Falle würde Derjenige, welcher zu schenken Willens
war, doch zweifellos auch zu einem Darlehen sich bereit finden
kaffen; es käme ein Darlehen zu Stande. Wollte dagegen der
Geber darleihen: würde derselbe, wenn ihm die Absicht des
Empfängers, sich schenken zu lassen, klar würde, nun auch
ebenso selbstverständlich auf eine Schenkung eingehend Eine
Antwort hierauf ist überflüssig.
Dasselbe ist zu sagen, wenn der Geber schenken, der
Empfänger Zahlung erhalten will und umgekehrt. Im ersten
Falle wird der Geber auch damit zufrieden sein, wenn seine
Gabe als Tilgung seiner Schuld (an die er z. B. nicht mehr
gedacht hat) genommen wird; im zweiten Fall wird er darauf
bestehen, daß er zahlen und nicht schenken wolle und wird sich
der Absicht des Empfängers keineswegs anschließen.
Demnach ist Generalisierung des von Julian gesetzten Falles
zwar insoweit zulässig, als es nicht nothwendig ist, daß der
Empfänger gerade die Darlehnsabsicht hatte; dagegen erscheint
es als unzulässig, auch davon zu abstrahieren, daß der Geber
schenken wollte. Dies führt darauf, den nnimus und die eau8a
äonaväi näher ins Auge zu fassen.
Die Schenkungsabsicht als eine an und für sich (d. h. ab-
gesehen von etwaigen secundären Absichten) unwirthschaftliche
Absicht, geht weiter als jede andere mit einer Eigenthums-
übertragung oder sonstigen Vermögenszuwendung sich verbin-
dende Absicht; alle andern möglichen Absichten sind schon an
und für sich irgendwie wirthschaftliche Absichten. Wer in Schen-
kungsabsicht giebt, der giebt, wenn man nicht blos den näch-
sten juristischen Erfolg des Gebens, den Eigenthumsübergang,

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