Full text: Jahrbücher für die Dogmatik des heutigen römischen und deutschen Privatrechts (Bd. 23 = N.F Bd. 11 (1885))

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Unger,

Stande sei. und er sucht ihn im vorhinein abzuwehren. „Wer
die Berechtigung jeder Fiktion verwirft, muß auch diese ver-
werfen; er sehe aber zu. ob er nicht damit, hier wie in
manchem andern Falle, den einzigen Schlüssel zur Erklärung
einer rechtlichen Erscheinung wegwirst. Der Einwand aber,
daß eine reale Erscheinung durch eine dem Gebiete der Reali-
tät nicht angehörende Fiktion nie erklärt zu werden ver-
möge. würde das Wesen der juristischen Fiktion, durch den
Namen irregeleitet, aufs Gröblichste verkennen. Der Satz,
daß die Forderungen verschiedener Personen behandelt werden
sollen, wie wenn sie eine und dieselbe Forderung wären, hat
genau ebenso viel Realität als der Satz, daß die eine Forde-
rung nach Geltendmachung der anderen nicht mehr soll erhoben
werden können. Jener Satz ist aber ein allgemeinerer, aus
welchem daher der andere als seine Eonsequenz erklärt werden
kann, der aber natürlich seinerseits des Nachweises seiner Exi-
stenz und seiner Gründe ebenso gut bedarf als jeder andere
Rechtssatz" (S. 65. 66).
Allein trotz dessen, oder vielmehr eben deshalb ist Höl-
d e r' s Erklärung des Wesens der Correalobligation so gut wie
keine Erklärung. Der quellenmäßige Nachweis der Fiktion der
Einheit ist nicht erbracht. Die Begründung der Fiktion der Iden-
tität durch die vermeintliche Identificirungsabsicht der Parteien ist
nicht gelungen. Die Annahme einer Statuirung der Einheits-
fiktion durch das Recht aber würde daraus hinauslausen, daß
die mehreren Forderungen wie Eine angesehen und behandelt
werden, weil die eine Forderung nach Geltendmachung der an-
deren nicht mehr erhoben werden kann, und daß die eine For-
derung nach Geltendmachung der anderen nicht mehr erhoben
werden kann, weil die mehreren Forderungen angesehen und
behandelt werden, wie wenn sie eine und dieselbe Forderung
wären.

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