Full text: Jahrbücher für die Dogmatik des heutigen römischen und deutschen Privatrechts (Bd. 23 = N.F Bd. 11 (1885))

Das Wesen der Correalobligation.

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Eine unbedingte Obligation kann mit einer bedingten,
eine unbetagte Obligation mit einer betagten im Correal-
verhältniß stehen: es hat nichts Widersinniges, daß ungleich-
artige Obligationen, wenn sie nur auf denselben Gegenstand
gehen, zusammengehören und mit einander verbunden sind.
Wenn aber H öl der mit Recht bemerkt, daß „eine bedingte
Stipulation unmöglich identisch sein kann mit einer unbedingten"
(S. 40), dann kann man auch nicht fingiren, daß eine bedingte
Obligation und eine unbedingte Obligation eine und dieselbe
seien, da eine und dieselbe Obligation nicht zugleich bedingt und
unbedingt sein kann.
Nicht minder unvereinbar mit der Fiktion der Einheit ist
die Entscheidung der L. 71 pr. D. de fidej. (46. 1). Werden
die mehreren Obligationen und die mehreren Subjekte derselben
so angesehen und behandelt, wie wenn sie nur Eine resp. Eines
wären, so müssen im Falle der Beerbung eines Correalschuld-
ners durch den Gläubiger sämmtliche Obligationen durch Con-
susion erlöschen, während bekanntlich nur die einzelne Obligation
des beerbten Correalschuldners durch „Vereinigung" erlischt.
Vergebens sträubt sich Hölder gegen diese Eonsequenz, indem
er ihr durch die Wendung auszuweichen sucht, daß der Mit-
schuldner nur in seiner Eigenschaft als Subjekt der gemein-
samen Schuld identisch ist mit den übrigen Mitschuldnern,
nicht in seiner Eigenschaft als Subjekt der ihr gegenüber-
stehenden Forderung (S. 56). Wenn aber sämmtliche Mit-
schuldner als Eine Person fingirt werden, so steht dem einen
Mitschuldner beerbenden Gläubiger kein anderer Mitschuldner
mehr gegenüber, daher die begriffliche Nichtidentität von
Gläubiger und Schuldner hier nicht weiter helfen kann.
Nicht ohne Grund besorgt Hölder den Einwand gegen
seine Theorie , daß eine Fiktion überhaupt keinen Erklärungs-
grund abzugeben und kein Construktionsmittel darzubieten im

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