Full text: Jahrbücher für die Dogmatik des heutigen römischen und deutschen Privatrechts (Bd. 23 = N.F Bd. 11 (1885))

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Unger,

daß die in der Gedankenwelt sich vollziehende Verbindung
der Mehreren zu einem einheitlichen Ganzen eine so kräftige
und feste sei, wie wenn sie körperliche Realität und leib-
liche Consistenz besäße.
Holder fragt, warum die Zusammenfassung mehrerer
Obligationen zu einer Einheit gerade eine Obligation er-
geben solle, da doch ein Gespann aus einer Mehrheit von
Pferden bestehe, ohne selbst ein Pferd zu sein (S. 32). Ich
kann die Frage zurückgeben und meinerseits fragen, warum
das vereinigte Personen-, Sachen- und Aktionenrecht das ge-
sammte Recht (omne zus, Gaj. 18. § 12 J. de jur. natur.
1. 2) ergibt, warum die einzelnen prätorischen Edikte insge-
sammt das Edikt des Prätor bilden, warum die einzelnen
lege8 zusammen eine lex2 3), mehrere Rogationen zusammen-
genommen eine Rogation2) ausmachen? Auch hier findet
sich, wie ich im Anschluß an Bekker bereits früher hervor-
gehoben habe (S. 415), jene „doppelte Bedeutung", jene
„Duplicität des Begriffs", welche ich auch für die Obliga-
tion in Anspruch nehme (Einzelobligation — Inbegriff von
Obligationen). Überdies läßt in einer erheblichen Anzahl
von Fällen schon die Bezeichnungsweise keinen Zweifel dar-
über, daß das Collektivganze derselben Begriffskategorie an-
gehört, wie die einzelnen Bestandtheile, aus welchen es ge-
bildet ist. So sprechen wir unbedenklich von einem Gesammt-

2) Weißenborn zn LiviuS vi, 38, 5; „Der Singular (lex) be-
zeichnet die drei Gesetze als ein Ganzes." Hieher gehört dem Begriffe und
der Bezeichnung nach auch die lex smur». Bgl. ferner Nipperdey zu
TacituS Annalen in. 33; XV, 20.
3) In einem solchen Falle spricht Herzog (Anm. 6) S. 226 unbe-
fangen und unbedenklich von der „Einheit der (drei) Forderungen", an
welcher die antragstellenden Bolkstribunen festhalten. Die Einheit be-
steht eben in allen hieher gehörigen Fällen in der Zusammengehörig-
keit.

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