Full text: Jahrbücher für die Dogmatik des heutigen römischen und deutschen Privatrechts (Bd. 24 = N.F Bd. 12 (1886))

Ein Wort über meine Kritiker.

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-Das Zeitungsreferat ist selbstredend falsch. Ich hatte Herrn
Dr. Jakobi, der in der Diskussion über Ihre letzte Schrift eine Ihren
Erinnerungen geneigte Stellung eingenommen, um einem kurzen, objektiven
Bericht über Ihre neueste Abhandlung ersucht. Diesen hat er auch erstattet
und daran in der kurzen noch verbliebenen Zeit nur wenige Bemerkungen
geknüpft, worin er ausführte, daß es auf eine Versöhnung beider Aus-
drucksmittel — der Mündlichkeit und der Schriftlichkeit — ankomme, aber
selbst Vorschläge zur Verbesserung des Thatbestands machte, die zum Theil
noch weiter gehen, als Sie. Nachdem ich demnächst konstatirt, daß auch in
der vorigen Sitzung weder vr. Jäckel, noch sonst Jemand Sie, den wir
Alle verehrten, persönlich angegriffen, erhob sich Plötzlich Herr vr. Jäckel und
erklärte (übrigens durchaus ruhig), daß Ihre neuesten Ausführungen ihn
nicht überzeugt hätten und er dieselben nächstens an einem andern Orte
zu bekämpfen gedenke. Bei der vorgerückten Zeit und auch im Hinblick
auf Ihren Wunsch schloß ich nunmehr die Sitzung. Den von Ihnen ange-
führten Zeitungsbericht kenne ich nicht und weiß nicht, wie derselbe ent-
standen ist.
Nun sandte ich eine Abschrift dieses Briefes mit einer
ausführlichen Darlegung des Sachverhaltes an die Redaktion
der „Post" und bat um Berichtigung des falschen Referates.
Dieselbe brachte hierauf mit dein Bemerken, daß das frühere
Referat „nicht ganz korrekt" gewesen sei, folgendes neue Referat
ihres Berichterstatters:
„Rechtsanwalt vr. Jakobi referirte in der Sitzung der Juristischen
Gesellschaft vom 8. Mai über die kürzlich erschienene Schrift des Reichs-
gerichtsraths a. D. vr. O. Bähr „Noch ein Wort zum deutschen Civil-
proceß" und zwar in dem Sinne, daß die Ruhmestitel der Civilproceß-
ordnung keineswegs in der konsequenten Durchführung des Mündlichkeits-
princips, sondern in andern Vorzügen zu finden wären; namentlich sei die-
selbe eine Musterleistung zur Herstellung einer technischen Rechtssprache.
Den von Bähr gegen das System der Civilproceßordnung gemachten Ein-
wendungen schloß sich der Vortragende nur insoweit an, als sie sich auf
die Feststellung des Thatbestandes beziehen. (In dieser Hinsicht verstoßen
nach Ansicht des Vortragenden die Vorschriften der Civilproceßordnung
gegen die Grundsätze der Öffentlichkeit und des rechtlichen Gehörs und es
erscheint ihm eine auch bereits in seinem Vortrag formulirte Abänderung
der diesem Gegenstand betreffenden §§ 270 und 470 geboten). Dagegen
verhielt sich der Vortragende gegen die übrigen Vorschläge Bährs ableh-
nend, namentlich gegen die von diesem als wünschenswert bezeichnete Be-
seitigung des jetzigen Verfaumnißverfahrens."

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