Full text: Jahrbücher für die Dogmatik des heutigen römischen und deutschen Privatrechts (Bd. 26 = N.F Bd. 14 (1888))

Zur Lehre von der Stellvertretung.

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ich Richter in einem Bezirk war, für den das französische Civil-
recht galt, aber aus dem Umstande, daß der Machtgeber die
innerhalb der Vollmachtsgrenzen kontrahirten Verbindlichkeiten
erfüllen soll, folgt doch nicht, daß die Verbindlichkeiten durch
Verträge entstanden sein müssen, welche der Bevollmächtigte im
Namen des Vollmachtgebers abgeschlossen hat. Denn
warum sollte ein Gesetz nicht bestimmen können, daß der Voll-
machtgeber die innerhalb der Vollmachtsgrenzen von dem
Bevollmächtigten auf seine eigene Person übernommenen Ver-
bindlichkeiten statt dessen zu erfüllen habe? Uebrigens wird
Z a chariä's Auffassung insoweit richtig sein, daß der Art. 1998
keine Anwendung finden kann, wenn der Bevollmächtigte bloß
in eigenem Namen vollmachtsgemäß kontrahirt hat, ob-
gleich das Gesetz auch dies nicht bestimmt sagt. Denn es lag
für den Gesetzgeber kein Grund vor, die Rechtsfolge des Art.
1998 eintreten zu lassen, wo die Kontrahenten gar nicht be-
absichtigt haben, den Eintritt derselben herbeizuführen.
Auch die genannten neueren Gesetzgebungen gestatten also,
wie mir scheint, die Annahme, daß die Verbindlichkeit, welche
der vollmachtsgemäß in eigenem Namen kontrahirende Bevoll-
mächtigte auf seine eigene Person übernimmt, durch eine gleich-
zeitige Vereinbarung der Kontrahenten auf den Vollmachtgeber
übertragen werden kann. Wären alle Kontrahenten gute Ju-
risten, so könnte man ein derartiges Mittelglied zwischen dem
Kontrahier* des Bevollmächtigten in eigenem Namen und im
Namen des Principals allerdings entbehren. Aber die meisten
Kontrahenten wissen sehr wenig oder gar nichts von den in
Ansehung der Stellvertretung gellenden Grundsätzen. Mit
dieser Thatsache, die seit Papinian ziemlich unverändert bestehen
geblieben ist, muß die Gesetzgebung rechnen, was das H.G.Buch
nicht gethan hat.

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