Full text: Jahrbücher für die Dogmatik des heutigen römischen und deutschen Privatrechts (Bd. 26 = N.F Bd. 14 (1888))

Zur Lehre von der Stellvertretung.

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Betrachtung derselben kaum zu genügen. Anstalt dies näher
auszuführen, beschränke ich mich hier auf folgende Frage:
Wenn der Bevollmächtigte der Vollmacht wegen in eigenem
Namen kontrahirt, daneben auch ausdrücklich erklärt hat, daß
er persönlich verbindlich geworden sei, steht dem Gläubiger
dann selbst in dem Fall keine Klage gegen den Vollmachtgeber
zu, wenn die Kontrahenten bei der Kontraktschließung ausge-
macht haben, daß die von dem Bevollmächtigten übernommene
Schuld von dessen Vollmachtgeber zu erfüllen sei? Nach meiner
Auffassung des A.L.Rechts steht dem Gläubiger hier eine Klage
zu. Es heißt im A.L.R. I, Tit. 13,
§ 153. Wer mit einem Bevollmächtigten kontrahirt hat^
muß sich wegen Erfüllung des Vertrages in der Regel an den
Machtgeber halten.
§ 154. Hat der Bevollmächtigte bloß in eigenem Namen
kovtrahirt, so kann der Andere nur von ihm die Erfüllung
fordern.
In dem angeführten Beispiel hat der Bevollmächtigte in
eigenem Namen kontrahirt, aber er hat nicht bloß in eigenem
Namen kontrahirt, denn er hat daneben mit dem Gläubiger
ausgemacht, daß seine Schuld von dem Principal zu erfüllen
sei. Der Gegensatz von „bloß in eigenem Namen" ist doch
offenbar nicht: „im Namen des Principals," sondern viel-
mehr: „nicht bloß in eigenem Namen." Das A.L.R. sagt
ferner in
§ 85. Was der Bevollmächtigte zufolge des erhaltenen
Auftrags mit einem Dritten verhandelt, verpflichtet den Macht-
geber ebenso, als wenn die Verhandlung mit ihm selbst voll-
zogen wäre.
Aber diese Rechtsfolge tritt offenbar nur ein, wenn die
Kontrahenten den Willen haben, daß sie eintreten soll, und
diesen Willen haben sie nicht bloß, wenn der Bevollmächtigte
XXVI. N. F. XIV.

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