Full text: Jahrbücher für die Dogmatik des heutigen römischen und deutschen Privatrechts (Bd. 26 = N.F Bd. 14 (1888))

342 vr. O. Bähr,
über, auch wenn auf ihrer Grundlage die Eintragung erfolgt
sein sollte.
Der Eintrag als solcher giebt kein materielles Eigenthum.
Er kann, wo er mit dem materiellen Eigenthum in Wider-
spruch steht, vom Standpunkt dieses letzteren angefochten und
rückgängig gemacht werden. Aber er repräsentirt das Eigen-
thum nach außen und gewährt zu diesem Zweck wichtige Rechte
des materiellen Eigenthums. Er legitimirt zu allen Klagen,
die dem Eigenthümer als solchem zustehen. Er giebt auch das
noch weit wichtigere Recht, über das Eigenthum zu verfügen,
mit der Wirkung, daß der gutgläubige Erwerber wirklicher
(materieller) Eigenthümer wird. Man kann hiernach den Ein-
trag als ein neben dem materiellen Eigenthum hergehendes,
zum Schutz des letzteren bestimmtes formelles Recht bezeichnen,
kraft dessen der Eingetragene wichtige Rechte des wirklichen
Eigenthümers ausübt. Bildet nun auch der Besitz in seiner
gemeinrechtlichen Ausbildung ein das Eigenthum gewisser-
maßen repräsentirendes formelles Recht, so liegt es nahe, das
Recht des Eintrags auch mit dem Rechte des Besitzes zu ver-
gleichen. Aber das Recht des Eintrages — des Buchbesitzes,
wie man wohl auch gesagt hat — geht in seiner juristischen
Stärke über das Recht des Besitzes weit.hinaus.
Die Lehre von der Auflassung und dem Eintrag haben
in die Besitzlehre dadurch tief eingegriffen, daß die Ueber-
tragung des Eigenthums nicht mehr durch Uebergabe des
Besitzes vermittelt wird; daß dem eingetragenen Eigenthümer
gegenüber ein Erwerb durch Ersitzung nicht stattfindet; und
daß der Eintrag stets das Recht giebt, den Besitz, der nicht
kraft besonderen aus dem Eigenthum abgeleiteten Rechtes
geübt wird, an sich heranzuziehen. Dadurch hat der Besitz
in den wichtigsten Beziehungen die rechtliche Bedeutung, die
ihm früher zukam, verloren. Man kann sagen, daß der Besitz

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