Full text: Jahrbücher für die Dogmatik des heutigen römischen und deutschen Privatrechts (Bd. 26 = N.F Bd. 14 (1888))

Zur Besitzlehre.

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Es ließe sich denken, daß die Auflassung bestände, ohne daß
dem Eintrag im Grundbuche die ihm gegebene Bedeutung
eines formalen Rechtes zukäme 9e). Es ließe sich auch denken,
daß dem Eintrag diese Bedeutung gegeben wäre, ohne daß
die Auflassung als Form der Eigenthumsübertragung geschaffen
wäre; wo dann allerdings die dem Eintrag zu Grunde liegende
Feststellung des Eigenthumsübergangs unter Lebenden sehr
schwierig werden und dadurch der Eintrag selbst an Sicherheit
in hohem Maße verlieren würde. Daß aber der Eintrag
nicht, wie er von manchen angesehen wird, ein bloßes An-
nexum der Auflassung ist, ergiebt sich schon daraus, daß ja
der Eintrag an alle möglichen Erwerbsarten des Eigenthums
sich anknüpft.
Die Auflassung ist der aus der Tradition losgelöste ding-
liche Vertrag, durch welchen Eigenthum übertragen wird.
Sein Abschluß muß mündlich vor dem Gmndbuchrichter er-
folgen. Dadurch wird diesem die denkbar sicherste Grundlage für
die Eintragung verschafft. Der Vertrag vollzieht sich, gerade
wie bei der Tradition, durch abstrakten Willensakt. Es ist
das zugleich sehr belehrend für diejenigen, die es unbegreiflich
finden möchten, daß auch schon im römischen Rechte unter
Umständen (bei der brevi manu traäitio und dem eon-
stitutum xo88688orium) durch abstrakten Willensakt Eigen-
thum übertragen wird. Die Auflassung überträgt das Eigen-
thum materiell. Ist sie ungültig (z. B. wegen Handlungs-
unfähigkeit des Auflassenden), so geht materiell kein Eigenthum

96) So war es z. B. in Kurhesien. Dort bestand das Recht der
Auflassung, d. h. der Grundsatz, daß nur durch einen vor Gericht abge-
schlosienen Vertrag Grundeigenthum übertragen werde, schon seit 1732.
Aber der auf Grund dieser Auflassung bewirkte Eintrag im WährschaftS-
buche hatte nicht die Bedeutung des preußischen Eintrags.

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