Full text: Jahrbücher für die Dogmatik des heutigen römischen und deutschen Privatrechts (Bd. 26 = N.F Bd. 14 (1888))

Schriftliche oder freie Vertragsform? 198
und theoretischer Excurse, welche zur Lösung der Frage nicht
beitragen, einer kurzen Besprechung unterziehen.
Der an die Spitze des Aufsatzes gestellte Satz, daß für
die Entscheidung der Frage nur diejenigen Vorzüge und Män-
gel ins Gewicht fallen, welche der Schristform als solcher,
d. h. insofern anhaften, als sie einerseits Form und anderer-
seits Schrift ist, und daß mithin diejenigen Gebrechen, die
ihren Grund nicht in der Schriftform. sondern in den Mängeln
der Preußischen Landrechtsgesetzgebung haben, außer Betracht
zu lassen sind, ist gewiß als richtig anzuerkennen. Wir')
stimmen auch mit dem Verfasser darin überein, daß lediglich
praktische Erwägungen dazu geführt haben, die Wahl der
Parteien unter den möglichen Vertragsformen durch die An-
ordnung einer bestimmten Form zu beschränken, können aber
die Ansicht, daß die gesetzliche Festsetzung einer solchen Form
einem lebhaft empfundenen realen Bedürsniß des Rechtslebens
entspreche, nicht theilen und halten insofern den Ausspruch Meyer's
(die Schrift in ihrer Bedeutung nach Preußischem Recht 1855),
daß die landrechtlichen Festsetzungen über die Schriftsorm
künstliche Erzeugnisse grauer Theorie seien, für nicht unberechtigt.
Der Verfasser führt zunächst S. 397—408 unter Anfühmng
von Beispielen aus, wie schwierig es sei, bei formlosen Ver-
handlungen über die den Erklärungen und Handlungen der
Parteien zu Grunde liegende Willensrichtung ins Klare zu
kommen, und wie leicht die daraus nur zu häufig entstehenden
Prozesse, weit entfernt, eine objectiv richtige Entscheidung er-
warten zu lassen, vielmehr den Charakter einer ihrem Aus-
gang nach völlig zweifelhaften Wette annähmen; er hält dagegen,
wenn die Contrahenten sich einer vom Gesetz vorgeschriebenen
i) Anmerkung: Wenn ich den Pluralis gebrauche, so sehe man
ihn nur als Pluralis majestaticus in dem Sinne an, daß die diesseitige
Ansicht von Vielen getheilt wird.

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